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World Robot Olympiad 2018
Regionalentscheid Open Category
 
5. Mai / phaeno Wolfsburg
Bewerbung bis 9. März
Kreativer Futurismus erstmals im phaeno: Bei der World Robot Olympiad entwickeln Jugendliche Roboter, die die Lebensmittelindustrie revolutionieren könnten. Wir haben uns mit Davy Champion, Veranstaltungsorganisator des phaeno, über das Event, Zukunftsvisionen und deren Haus-Androiden Robo Thespian unterhalten.
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Was? So weit ist es schon? LEGO lässt Kinder autonome Roboter basteln? Sind die Kinderzimmer etwa schon voll mit kleinen Terminatoren, die heimlich an ihrer Revolution feilen? „Beim internationalen Roboter-Bau-Wettbewerb World Robot Olympiad entwickeln Kinder und Jugendliche Robotermodelle mit dem LEGO-Mindstorms-System“, erklärt mir Davy Champion. „Das ist tatsächlich schon recht intuitiv gemacht, die Programmieroberfläche ist sehr grafisch. Um die LEGO-Systeme gibt es gerade einen richtigen Hype, viele Kids lernen das Programmieren schon in der Schule.“
„Die Pflanze muss zum Lido-Deck“
Das Thema der Olympiade ist dieses Jahr „Food Matters“. Die selbstgebauten Roboter sollen etwa die Beschaffenheit von Nahrung analysieren und daraufhin selbstständig Entscheidungen treffen oder auch den Transport und Konsum von Lebensmitteln optimieren. „Vielleicht entwickelt ja jemand einen Roboter, der Jugendliche dazu anregt, sich gesünder zu ernähren?“, lacht Champion, „Zum Beispiel einen innovativen Smoothie-Roboter oder einen, der die Essensration mit Kalorien und allen Bestandteilen genau berechnet, die eine Person gerade benötigt.“
Landwirtschaftsroboter sollen also künftig mit Kameras, Infrarot- und anderen Sensoren mein Essen beurteilen? Wissen die denn überhaupt, wie eine richtige Erdbeere schmeckt? Und was ist, wenn sich einer mal irrt und ich verdorbene oder überdüngte Lebensmittel auf den Tisch bekomme? So oft wie mein hochtechnologisches Smartphone Funktionsausfälle hat, klingt die Aussicht wenig vertrauenserweckend. „Ich würde das sicherlich nicht komplett aus der menschlichen Hand geben“, beruhigt mich Champion. „Aber momentan übernehmen das ja auch schon größtenteils Maschinen. Ich sehe eher das riesige Potential: Durch bessere Sensorik und

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Automatisierung kann man sicherstellen, dass die Ernte zum genau richtigen Zeitpunkt geschieht, also weniger Lebensmittel verloren gehen, die Düngung kontrolliert und der Aufwand minimiert wird. Bei einem größtmöglichen Ertrag.“ Also doch eher freundliche Wall-Es. Kleine fleißige Helfer, die zur Förderung der nachhaltigen Landwirtschaft beitragen, meine Ernährung verbessern und die Welthungersnöte endlich beenden werden.

„Ein echter Junge wie Pinocchio“
Im phaeno kann man in der „Open Category“ mit der größten Gestaltungsfreiheit antreten. Alle möglichen Baumaterialien wie Holz, Metall, Plastik und sämtliche Programmiersprachen sind dabei zugelassen, man kann mehrere kleine Roboter bauen, die zusammenarbeiten, oder auch ein bis zu zwei Kubikmeter großes Modell. „Das ist, was wir am spannendsten fanden: Man kann ganz frei gestalten, richtig kreativ sein. Das passt gut zum phaeno.“ Diese Roboter-Beschreibung klingt jetzt doch etwas nach der Science-Fiction, die im Film für Menschen nicht gut ausgeht. Robo Thespian, der menschengroße Androide, der die phaeno-Besucher seit einiger Zeit begeistert, lässt ähnliche Zukunftsgefühle aufkommen: Er singt, erzählt Geschichten, zitiert Literatur und interagiert ganz selbstständig mit seinem Gegenüber. „Nein, momentan sind solche Funktionen noch sehr beschränkt“, beraubt mich Robo-Ziehvater Champion meiner Illusionen. „Es gibt ein paar Befehle, die man ihm geben kann, wie: ‚Sing mal ein Lied!‘, und er stimmt ein Lied aus seinem Repertoire an. Aber die Befehle muss man schon kennen. Wir nutzen vor allem die ‚Telepräsenz‘ bei besonderen Veranstaltungen. Damit kann man vom Büro aus die Besucher, die vor ihm stehen, hören und sehen und per Fernsteuerung mit ihnen interagieren. Wenn wir das freie Gespräch für Besucher aktivieren würden, würde er zu oft antworten: ‚Ich verstehe dich nicht.‘“

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Ganz neu ist die Gesichtserkennungssoftware von Robo: Er filmt das Geschehen vor sich und wenn er eine Person erkennt, folgt er ihr mit seinem Kopf und erzeugt synthetisch Sätze. „Er sagt Sachen wie: ‚Du bist ein Mädchen und fröhlich.‘ Manchmal liegt er noch ziemlich daneben“, erzählt Champion lachend. „Da merkt man, dass die künstliche Intelligenz immer noch in den Kinderschuhen steckt. Als wir den Roboter vor sieben Jahren bekamen, habe ich erwartet, dass er bald selbstständig interagieren und laufen können wird. Aber das wird noch lange dauern. Die Fortschritte in der Robotik entwickeln sich langsam und man braucht immer noch sehr stark den Menschen im Hintergrund, um die Roboter zu steuern oder ihnen Dinge beizubringen.“

„Definiere Verbrechen“
Robo steht momentan fest fixiert auf einer Plattform. Die Gefahr ist zu groß, dass er, wenn er herumlaufen und von einem Besucher geschubst würde, beim Fallen mit seinem großen Gewicht ein Kind erschlagen könnte. Dass so eine Maschine ihr Gleichgewicht hält, ist immer noch eine riesen Herausforderung.
Irgendwie beruhigend, dass wir von einer „I, Robot“-Welt noch weit entfernt sind und Zeit haben, die rechtlichen und ethischen Fragen zu klären. Wenn der freundliche Robo etwa den Terminator einmal nicht mehr nur lustig imitiert, sondern seine enormen Kräfte dazu einsetzt, eigene Interessen durchzusetzen: Wer trägt dafür die Verantwortung? Was, wenn die süßen LEGO-Roboter eine alternative Kommunikationsweise über das WLAN etablieren und die Weltherrschaft an sich reißen? – Unwahrscheinlich. Dass Künstliche Intelligenzen (KI) aber eines Tages autonom staatliche Aufgaben wie die Überwachung von Gefängnissen oder Demonstrationen übernehmen, ist abzusehen. Dieselbe Technik, die es den Landwirtschaftsrobotern ermöglicht, eigenmächtig Lebensmittel einzuordnen, kann dazu genutzt werden, Menschen in Kriegsgebieten als Opfer oder Feinde zu klassifizieren und entsprechend zu handeln. Wie schnell es dann zu fatalen ­Fehlentscheidungen kommt, zeigen unzählige Fiktionen. Da helfen auch Isaac Asimovs berühmte Robotergesetze nicht. Schließlich ist die Eliminierung eines als „Terrorist“ markierten Menschen die Rettung potentiell Millionen anderer und damit legitim. Während die USA bei ihren Drohneneinsätzen immer mehr auf KI setzen, kämpft die Kampagne „Stop Killer Robots“ seit 2013 für ein Verbot vollautonomer Tötungsmaschinen. Unter den 22 Unterstützer- Staaten sind vor allem solche, die befürchten, Opfer solcher Technik zu werden. Deutschland ist nicht dabei, obwohl laut einer Studie 65 Prozent unserer Bevölkerung dagegen wären und schon viele Wissenschaftler und Unternehmen unterschrieben haben, darunter die auf KI spezialisierte Google-Tochter DeepMind.
„Man kann meine edelsten Teile sehen?“
„Einen humanoiden Roboter mit einer fortgeschrittenen KI, der alles kann und macht wie ein Mensch und sich auf offener Straße frei bewegt, fände ich schon befremdlich“, meint sogar Robotik-Optimist Champion. „Das wünsche ich mir nicht. Höchstens ganz gezielt in Bereichen eingesetzt, in denen der Mensch nicht weiterkommt: In der Alterspflege etwa oder bei schwerer körperlicher Arbeit.“ Im Bergbau, der Lagerhaltung und Landwirtschaft schreitet die Robotisierung stetig voran. Auch in der Medizin hat sie, relativ unbemerkt, bereits Einzug genommen: Seit 2000 sind in Europa computergestützte Diagnoseverfahren, Therapie- und Chirurgie-Roboter zugelassen. Sogar in unsere Privaträume schleicht sich immer mehr „Intelligenz“: Smart-vernetzte Geräte vom Mixer über „Dash Button“ und „Alexa“ bis hin zu kompletten Wohnräumen inklusive Klima- und Haustür-Kontrolle greifen unaufhaltsam um sich. Dabei sind Risiken und Haftung bei Datenmissbrauch, Funktionsstörung, Hack- und Erpressbarkeit weitgehend ungeklärt. Solche Diskussionen werden am heftigsten noch in Bezug auf autonomes Fahren geführt. „Nach den Prognosen von Leuten wie Jay Jay, dem Digitalisierungs-Chief von Volkswagen, werden bereits in zehn Jahren viele autonome Autos auf unseren Straßen fahren. Natürlich stellt sich die Frage der Verantwortung, wenn mal etwas passiert. Aber ich denke, dass es in der Summe weniger Unfälle geben wird als heutzutage. Ich sehe vor allem eine riesige Steigerung der Lebensqualität, natürlich gekoppelt mit Elektromobilität: Es wird deutlich leiser werden, weniger Ausstöße und Staus geben. Wenn man sieht, was auf der A2 los ist, müssen auch wirklich schnell Alternativen her. Die Vorstellung, dass ich mal in die Alpen fahre und einfach hinten sitze und einen Film schaue oder arbeite – ich bin sehr gespannt, was wir davon noch erleben“, schwärmt Champion.

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Ja, gegen so einen K.I.T.T., wie ihn der Hoff in „Knight Rider“ hatte, hätte ich allerdings auch nichts. Auch nicht gegen fliegende PKW wie in „Das fünfte Element“ oder den optimierenden Austausch von lästig verfallsanfälligen Körperteilen wie in „Ghost in the Shell“. Die seit jeher visionäre Science-Fiction-Historie ist bereits in vielen Fällen von unerwarteten Möglichkeiten der Realität überholt worden. Sicher werden wir irgendwann über unsere heutigen Zukunftsträume und -ängste genauso lachen wie jetzt, wenn wir die putzigen Gartenhelfer Huey und Dewey aus „Lautlos im Weltraum“ von 1972 oder das Mecha-Monster aus „The Mechanical Man“ von 1921 sehen. Das Potential ist gewaltig, ebenso wie die Herausforderungen. Eine hohe Souveränität in solchen Fragen kann nur von Vorteil sein. Nur gut, dass sich das phaeno und viele Schulen der Heranführung von Kindern und Jugendlichen an technische Problematiken annehmen. Die womöglich bahnbrechenden Ideen der regionalen World-Robot-Olympiad-Teilnehmer und im November der Finalisten in Chiang Mai in Thailand sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen.

Text Evelyn Waldt
Fotos Engineered Arts Ltd

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