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Aus dem Stadtbild vieler Großstädte ist er kaum noch wegzudenken: der E-Scooter.
Auch die Stadt Braunschweig führt gerade Verhandlungen mit Verleihern,
um die flotten Gefährte bald in unserer Stadt zu etablieren.
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Zukunft, Zukunft!“, zwitschern die Vögel von den Baumkronen, „Mobilitätswende“, kräht der Hahn auf dem Mist und „Hyper, Hyper“, grölt schon lange keiner mehr, also kommt er angerollt. Auf zwei Rädern, langhalsig und vermeintlich klimaneutral, läuft er H.P. und seiner Band locker den Rang ab. Es ist nicht irgendein Scooter, es ist der E-Scooter. Genauer gesagt, der Tretroller mit Elektroantrieb, der per App zu mieten ist. Ein Gefährt für einsame Wölfe, denn es ist untersagt, eine zweite Person auf seinem Roller mitzunehmen, zudem darf nicht nebeneinander, sondern nur hintereinander gefahren werden. Das Mindestalter zur Nutzung liegt bei 14 Jahren. Ganz besonders Führerscheinneulinge in der Probezeit sollten die Finger von den Flitzern lassen, wenn sie mal einen über den Durst getrunken haben, denn es gelten dieselben Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrende. Außerdem wird per Gesetz mit diesen Rollern ausschließlich über Radwege und Fahrradstraßen geheizt – nur, wenn diese nicht vorhanden sind, darf auf die Fahrbahn ausgewichen werden. In Braunschweig werden maximal hundert Elektro-Tretroller in der Innenstadt zur Verfügung stehen. Fahrsperr- und Parkverbotszonen sollen die Braunschweiger Innenstadt vor einer E-Scooter-Invasion schützen.

„Is it a bird, is it a plane?“ — es ist ein E-Scooter!

Seit Sommer letzten Jahres sind E-Scooter in Deutschland zugelassen und haben sich seither rasant verbreitet. Circ, Lime, Tier und Voi – die Namen der Tretrollverleiher sind ebenso willkürlich wie ihre Werbeversprechen: Die Roller seien sicher, umweltfreundlich und leise. Wenn nun alle statt mit ihrem Auto nur noch mit E-Scootern unterwegs wären, dann hätten wir die Mobilitätswende doch praktisch schon hinter uns. So weit, so gut – aber stimmt das so?
Schwierige Frage. Unfälle mit E-Scootern hat es bereits zahlreiche gegeben. Wie viele genau, ist jedoch nicht nachvollziehbar. Denn erst seit dem 1. Januar 2020 werden Unfälle, an denen E-Scooter beteiligt sind, gesondert erfasst. Dass die Roller Risiken mit sich bringen, steht jedoch außer Frage.
Hipper Großstadtspaß, der den großen Umbruch verspricht
Mit bis zu 20 Kilometern pro Stunde sind die Kleinstfahrzeuge überraschend schnell – und nur mit beiden Händen am Lenker wirklich zu kontrollieren. Somit fallen Handzeichen, um anderen Verkehrsteilnehmenden einen Richtungswechsel mitzuteilen, schwer. Eine weitere Kontroverse ist die Frage nach der Umweltfreundlichkeit. Was als die grüne Revolution der Mikromobilität vermarktet wird, ist in der Praxis gar nicht so öko. Des Nachts ziehen Diesel-Laster ihre Runden, um die verbauten Lithium-Ionen-Akkus zu laden, die bereits in der Produktion einige Ressourcen benötigen. Durch die billige Bauweise und die rabiate Nutzung vieler Kunden ist die Lebensdauer der Roller gering. Insofern tragen sie bislang nicht gerade zu einer erheblich verbesserten Klimabilanz bei. Keine besonders grünen Aussichten bisher – leider. Prinzipiell ist es an der Zeit, das Mobilitätskonzept in Großstädten grundlegend zu überdenken. E-Mobilität und neue Fortbewegungsmittel sind dabei mit Sicherheit ein großer Faktor, denn der Bedarf an neuer Infrastruktur ist durchaus da.
Doch im Zuge des ambitionierten Versuchs, neue Fahrzeuge in alte Verkehrsstrukturen einzubauen, sollte eines besonders ins Auge fallen, nämlich die Bedeutung altbewährter Mobilität. Weder der öffentliche Nahverkehr noch der Ausbau von Fahrradwegen ist in Braunschweig zur Perfektion gereift. Insofern besteht an vielen Stellen Bedarf, um der Bevölkerung ökologische Handlungsentscheidungen zu erleichtern. Welche Rolle E-Scooter dabei entwickeln, bleibt vorerst abzuwarten. Wir haben trotzdem schon einmal nachgehorcht, was ihr so von den Scootern haltet.
Are you ready for the sound of E-Scooter?

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Till Schaller, 25

Was hältst du von E-Scootern? Bist du schon einmal gefahren?
E-Scooter finde ich eher unnötig, bin aber auch schon einmal in Hannover gefahren. Das ist schon eine Möglichkeit, den öffentlichen Nahverkehr zu ergänzen, aber ich bin immer noch ein Fan des Fahrrads.

Was denkst du, sind die Vor- und Nachteile von E-Scootern?
Vorteile sind natürlich die flexible Mobilität, mit der App hat man schnellen Zugriff auf die Scooter. Zu den Nachteilen fallen mir die Vorfälle in Marseille ein, dass die Dinger ständig im Hafenbecken gelandet sind. Ob sie das Stadtbild verschönern oder verunglimpfen, das Thema juckt mich nicht so sehr, das finde ich nicht unbedingt. Vor allem würde es, glaube ich, die Bewegung ersetzen, sodass die Leute immer weniger zu Fuß zu gehen. Ich denke deshalb, dass das größte Problem ist, dass man sich dann weniger bewegt.

Denkst du, dass E-Scooter unterm Strich umweltfreundlich sind?

Wenn man die Produktion und so weiter berücksichtigt, dann sehe ich sie eher kritisch. Aber prinzipiell müsste man pro und contra nochmal abwiegen, um die Frage nach der Umweltfreundlichkeit zu beantworten – dazu habe ich nicht den Einblick.
Josefin Skiba, 24
Was hältst du von E-Scootern?
Ich würde das E-Scooter-Fahren gerne mal testen, hab das nämlich noch nicht gemacht. Ein Vorteil ist, dass man sich unabhängig und einfach in der Stadt fortbewegen kann. Außerdem sind sie elektrisch, also prinzipiell umweltfreundlich. Wenn mehr Leute statt Auto E-Scooter fahren würden, dann wäre es eine Entlastung für die Umwelt. Der Nachteil ist, dass die Menschen nicht so pfleglich mit ihnen umgehen, sie irgendwo hinwerfen, wo sie möchten und sie dann irgendwo rumliegen, da kann ein ganz schönes Chaos entstehen. Wir brauchen ein besseres System für diese Scooter, damit das nicht in so einem Chaos endet und der Verschleiß nicht so groß ist. Um der Umwelt einen Gefallen zu tun, sollte vor allem der öffentliche Nahverkehr angegangen werden – die Roller allein können nicht unsere Probleme mit der Umwelt lösen.
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Matthias Abeln, 27

Bist du schon einmal E-Scooter gefahren?
Ich bin einmal in Hannover E-Scooter gefahren, weil ich kein Fahrrad dabei hatte und auch kein Bus fuhr, da erschien mir das praktisch. Es hat schon Spaß gemacht. Man muss halt aufpassen, gerade bei Kopfsteinpflaster oder so – das ist ja nicht wie beim Fahrradfahren,

wo man automatisch langsamer wird, wenn man nicht mehr so doll tritt und aus der Puste ist. Beim E-Scooter sind viele Leute dauerhaft mit Vollgas unterwegs, das birgt schon Gefahren. Außerdem behindern E-Scooter den Radverkehr. Oft bleibt einem nichts anderes übrig, als die E-Scooter über den Gehweg zu umfahren, sodass man dann auch noch die Fußgänger stört.

Denkst du, dass die Roller im Großen und Ganzen umweltfreundlich sind?

Ich würde sagen, dass E-Scooter nicht umweltfreundlich sind, da sie abends von großen Transportern eingesammelt werden, um die Akkus zu laden. Das sind meistens große Mercedes-Sprinter, oft Dieselfahrzeuge, die in einer Tour stoppen und wieder anfahren, das verbraucht unheimlich viel. Zudem muss man auf die Herstellung und Entsorgung der E-Scooter schauen – schließlich müssen die Akkus fachgerecht entsorgt werden.
Pia Lange, 27
Bist du schon einmal E-Scooter gefahren?
Ich bin noch gar nicht E-Scooter gefahren, stehe dem aber auch negativ gegenüber. Man sieht es ja an den anderen Städten – die Roller werden viel liegen gelassen oder stehen auf den Grünflächen herum. Außerdem halten sie nicht so lange und die Entsorgung der Batterien ist schwierig. Die Leute sollten sich eher mehr bewegen.
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Melvin Flentke (r.), 16;
Marek Tschupe (l.), 16
Was sind eure Erfahrungen mit E-Scootern und was haltet ihr von den Rollern?
Melvin Ich bin schon einmal bei meinem Opa und bei einem Freund E-Scooter gefahren. Sonst würde ich das nicht nutzen – das ist teuer und in Braunschweig gibt es einfach auch wenige geeignete Straßen.

Marek Ich finde E-Scooter sehr unsicher. Sie sind extrem schnell und viele Fahrer passen nicht genug auf. Umweltfreundlich sind sie auch nicht, wegen der Lithium-Akkus.
Ann-Christin Weber, 22
Bist du schon einmal E-Scooter gefahren?
Ich bin noch nicht E-Scooter gefahren und boykottiere das auch, weil ich nichts davon halte. Man hat das ja eingeführt, um die letzte Meile zu überbrücken, sodass weniger Leute Auto fahren, auf den E-Scooter umsteigen und sich dann auch an der frischen Luft bewegen. Ich komme aus Hannover, dort sind die ja schon etwa seit einem halben Jahr eingeführt – die Dinger nerven einfach nur. Vor allem fahren dort Touristen und viele Leute, die das letzte Stück auch zu Fuß hätten gehen können. Dafür, dass man es nur als Freizeitvergnügen nutzt und die Dinger am Ende noch in irgendeinem Fluss landen, ist der Ressourcenaufwand einfach zu hoch. Außerdem stehen sie im Weg rum. Ich finde, man sollte besser die Leihfahrräder ausbauen. E-Scoooter sind nur dann eine gute Option, wenn man es wirklich eilig hat. Wenn Leute, die eigentlich mit dem Auto fahren würden, stattdessen den E-Scooter nehmen, dann wäre das eine gute Sache. Es muss eben auch so genutzt werden.

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Und wenn Freunde mal mit dem Fahrrad unterwegs sind und man selber keins dabei hat, kann man besser mit dem E-Scooter nebenher fahren, als hinten auf dem Gepäckträger und am Ende noch ein Knöllchen kassieren.

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Till Malburg, 24
Bist du schon einmal E-Scooter gefahren?
Für eine Strecke von so zwei Kilometern bin ich in Berlin mal E-Scooter gefahren. Das ging ganz gut, wenn man aber Fahrrad fahren gewohnt ist, ist der E-Scooter nicht sehr viel schneller und um einiges teurer – bei fünf Minuten fahren ist man schon bei vier Euro.

Jeder, der ein Fahrrad hat, ist besser damit bedient. Vor allem kann ich mir nicht vorstellen, dass es in einer Stadt wie Braunschweig einen großen Markt für E-Scooter gibt.

Was sind denn deiner Meinung nach Vor- und Nachteile der Scooter?
Wenn man unterwegs ist und mal kein Fahrrad dabei hat, aber noch eine längere Fußstrecke vor sich hat, dann ist das im Grunde eine schöne Option. Spontan oder auch in einer fremden Stadt kann das nützlich sein. Aber das ist eben teuer. Ich habe gelesen, wenn man da seine normale Routine fährt, ist man da hundert Euro im Monat mindestens los. Und in ökologischer Hinsicht ist es auch fragwürdig: Vom Hörensagen weiß ich, dass die Roller eine Haltbarkeit von etwa 30 Tagen haben. Das ist keine gelungene E-Mobilität. Die stehen überall rum, haben keine hohe Lebenserwartung. Vielleicht sollte man die Ressourcen, die Akkus, besser in E-Bikes verbauen.

Text und Interviews Isabel Pinkowski
Fotos
Isabel Pinkowski, luna-stock.adobe.com

hanohiki-stock.adobe.com

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