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Das Braunschweiger Projekt Freifunk setzt sich dafür ein, dass zukünftig die gesamte Region gemeinsam auf einer Welle freien Internets surfen kann.
DH freifunk c Merle Scholz art
Schlendert man durch die City oder auch durch seine eigene Wohngegend und entsperrt sein Handy, schiebt ein Kasten sich oft auf den Bildschirm und blockiert den Blick: Netzwerke in deiner Nähe. Viele davon sind privat, einzelne aber auch öffentlich. Was tun? Erst mal wegklicken und die neuesten Nachrichten auf WhatsApp und Instagram abchecken. Aber warum nutzt man nicht ein freies Netz, statt seine meist ohnehin schon begrenzten eigenen mobilen Daten zu verbrauchen? Vielleicht aus Angst, das WLAN sei nicht sicher? Oder doch aus Reflex?
Das hochgepriesene Potenzial der Digitalisierung wird durch das Projekt Freifunk vorangetrieben und ausgeschöpft. Allein in Braunschweig sind mittlerweile fast 450 Router in Betrieb, die die Stadt vernetzen – und es werden immer mehr. Die digitale Ausrichtung ist schon seit Jahren das Ziel der Städte, also worauf warten wir?
Freifunk, dein Freund und Helfer
Versteckt in einem der Gebäude am Schimmmelhof an der Hamburgerstraße befindet sich das Stratum 0. Der offene Raum für Technik-Freunde, Nerds von nebenan und harmlose Hacker bietet die Möglichkeit, sich über Ideen auszutauschen, technisch kreativ zu werden und gemeinsam zu tüfteln. Eines ihrer Projekte in Braunschweig und Umgebung heißt Freifunk. Was zunächst nur eine technische Spielerei war, entwickelte sich schnell zu einem großen Netzwerk aus freien WLAN-Hotspots. Kein Meckern mehr über ewiglange Registrierungen. Keine Gedanken mehr darüber, dass man beim Einloggen von vorne bis hinten vom Host durchleuchtet wird, bevor man überhaupt online ist. Bei Freifunk zählt einzig und allein die Vorstellung ein regionales Datennetz aufzubauen, das kostenlos über sogenannte „Knoten“ genutzt werden kann.
Seit 2014 wird das Angebot gut angenommen, wenn auch zuerst hauptsächlich von privaten Nutzern. Mittlerweile zählen aber auch immer mehr öffentliche Einrichtungen zu den Freifunkern. Freiwillige Feuerwehren in etlichen Stadtteilen, Kleingärten und Jugendzentren haben sich der Initiative angeschlossen. Dafür muss man sich nur einen Freifunk-Router kaufen und ihn an seinen heimischen Verteiler anschließen. Denn wenn man so überlegt, wer nutzt schon die ganze Bandbreite seines Internetzugangs oder weiß gar, zu was das kleine Ding in der Ecke alles so fähig ist? Richtig, so gut wie niemand! Ganz nach dem Motto „Sharing is caring“ kann man also sein Internet mit anderen teilen.

Zu Beginn der Corona-Pandemie musste das Stratum 0 für seine Mitglieder leider einige Wochen geschlossen bleiben. Wo man sonst nach der Arbeit oder zwischen Uni-Veranstaltungen vorbeischauen konnte, blieben die Räume vorerst leer. Anstatt aber den Kopf in den Sand zu stecken, steckten alle Funker lieber ihre Köpfe zusammen – und das via Video-Anruf. Gesagt, getan! Wöchentlich wird sich nun immer mittwochs zum Austausch verabredet und über neue Ideen und weitere Vorgehensweisen gequatscht. Der Betrieb selbst wird auch langsam wieder hochgefahren.

Das Kern-Team ist durchgängig dabei, das Netz am Laufen zu halten; erreichbar, wenn es technische Fragen gibt und führt den Mail- und Telefonverkehr durch. Die Außenarbeit übernehmen dann freiwillige Helfer. So richten sie die neuen Knoten-Punkte ein oder tragen ihren Teil als Heimfunker durch den eigenen Router bei. Auch wenn man bedenkt, dass sich in den letzten drei Monaten die Anzahl der Knoten-Nutzer halbiert hat, ist sie beinahe schon wieder auf
Vor-Corona-Niveau gestiegen. Die Leute strömen wieder nach draußen und brauchen auch unterwegs eine gute Verbindung.
Durch die vorübergehende Schließung der Schulen wurde Jugendlichen das Angebot des Digitalen Lernens, so zum Beispiel ebenfalls bei der Hausaufgabenhilfe in Jugendtreffs, ermöglicht und vereinfacht. Und nicht nur das – ein weiteres unterstützendes Regionalprojekt des Stratum 0, „Hey Alter“, bringt seit neustem alte PCs, Tablets und Notebooks wieder auf Vordermann und verteilt diese an bedürftige Schüler.
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Digitale Steps in die Zukunft
Mehr Internetzugänge und die Digitalisierung spielen auch in der Stadtentwicklung eine wichtige Rolle. Genauso, wie ein Computer ohne Strom nicht funktionieren kann, lassen sich auch lange nicht alle Potenziale ohne die Vernetzung im Stadtgebiet vollkommen verwirklichen. So heißt es von Freifunk hinsichtlich dieses Themas: „Wir haben weniger das Gefühl, die Stadtentwicklung zu formen. Stattdessen werden wir dadurch geformt.“ Natürlich stampft das Projekt selbst keine neuen Institutionen aus dem Boden, sondern richtet Netzwerke an bereits bestehenden Orten ein. Trotzdem ist es eine Hilfe, bestimmte Räume attraktiver und sichtbarer zu machen und neue Perspektiven zu eröffnen. Schließlich ist ein guter Internetzugang mittlerweile fast so wichtig wie für manche der Kaffee am Morgen.
Sichtbarkeit und Attraktivität sind auch genau die Verbesserungspunkte für die „Creative Spaces“ in Braunschweig, zu denen sich auch das Stratum 0 zählen kann. Einfach beschrieben umfassen sie das Arbeitsumfeld, das aber so individuell gestaltet und angepasst ist, dass Ideen gefördert werden und man sich eben auf diese konzentrieren kann. Eine Sache, die nur man selbst aus sich herausholen kann, ohne direkte fremde Hilfe. In der Studie „Kreative Orte und Räume, Kultur- und Kreativwirtschaft in Braunschweig“, die von der Stadt veröffentlicht wurde, sind bestimmte Entwicklungstendenzen zu erkennen: In Gebieten wie dem Westbahnhof, dem Uni-Viertel, in dem sich das Stratum niedergelassen hat, oder auch in der Bahnstadt hat sich über die letzten Jahre ein Potenzial für die Veränderung der Stadtstruktur entfaltet. In genau diese Räume zieht es Designer, Tüftler, Programmierer oder auch Start-ups aus der City. Ob die Oker, die Grünflächen oder einfach die extra für sie hergerichteten Rückzugsorte, diese drei Stadtteile – plus die Innenstadt – bilden mit ihren charakteristischen Merkmalen die gestalterische Ader Braunschweigs.
Pulsierende Innovationen und Originalität werden hier gebündelt. „Es gibt in Braunschweig eine Vielzahl junger sowie überaus kreativer Initiativen und Einrichtungen. Eben diese müssen dringend vernetzt und gestärkt werden, denn sie leisten einen wichtigen Beitrag für die Vielfalt und Weiterentwicklung der Braunschweiger Kulturlandschaft“, äußert sich die Kulturdezernentin Dr. Anja Hesse. Zukünftig heißt das, ein Augenmerk auf Urbanität, Vernetzung und Digitalisierung zu legen.
Mit der Nähe zum Ringgleis und seinen Internet-visierten Projekten greift das Stratum 0 zwei der drei Aspekte auf und fällt damit in das Schema der Stadtentwicklung. Als „Creative Space“ versteht es außerdem die Bedürfnisse der Kreativen und andersherum geht es Hand in Hand mit der Förderung der Räume, wie zum Beispiel der Innenstadt. Damit sind sie maßgeblich an der Kultur- und Kreativwirtschaft beteiligt, die sogar als wachstumsstärkste Branche der Weltwirtschaft aufgeführt wird.
Wenn bei Freifunk an die Pläne für die nächsten Jahre gedacht wird, sind da keine aufblitzenden Euro-Zeichen in den Augen zu sehen. Stattdessen bleibt der Kunde König. Es soll sich speziell an die Bedürfnisse der Nutzer angepasst werden. Natürlich wird auch das Netz verbessert und es sollen im besten Fall viele neue Standorte erschlossen werden. Seit zwei Jahren wird zusätzlich an einer neuen Software gearbeitet. Alles aber mit der Auslegung, das Freifunk-Erlebnis zu verbessern und dieses zukunftssicher zu machen. Und dabei ist eins ganz klar: Freies WLAN für alle ist vielleicht ein kleiner Schritt für Freifunk, aber ein großer Schritt für Braunschweig.

Text Merle Scholz
Grafik morokey - adobe.stock.com
Foto Merle Scholz

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