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Das Braunschweiger Start-up-Unternehmen Codenauten bringt in ihrer „Next Gen Developer School“ Kindern und Jugendlichen das Programmieren bei.
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Code ist die neue Weltsprache“, das zumindest sagen die Codenauten. Die Medienpädagogin Julia Eleonora Wierzbowski und der Informatiker Marvin Priedigkeit sind die Gründer des innovativen Bildungs-Start-Ups, das seinen Sitz im Trafo Hub in Braunschweig hat. Die beiden Jungunternehmer haben sich zum Ziel gesetzt, Kindern und Jugendlichen mit einem neuartigen Lernkonzept Programmiersprachen auf spielerische Art und Weise beizubringen. Ähnlich dem Konzept einer Musikschule bereiten die Codenauten in ihrer „Next Gen Developer School“ junge Menschen mittels Programmier-Kursen oder Feriencamps auf die digitale Zukunft vor. Ihre Vision ist, dass das Programmieren als allgemeine Schlüsselqualifikation in den Fächerkanon der Schulen aufgenommen wird. Erfolge konnten die Codenauten mittlerweile in verschiedenen Wettbewerben, wie dem Awesome Project Braunschweig erzielen. Sogar der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne hat sich bei einem Besuch im Trafo Hub das Konzept der beiden Unternehmer erklären lassen und zeigte sich durchaus beeindruckt von ihrem Engagement.
Julia, Marvin, ihr wollt mit eurem Unternehmen junge Menschen dazu bringen, so früh wie möglich das Programmieren zu erlernen und habt dafür ein Start-up gegründet. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?
Marvin war viele Jahre in der Lehre an der Uni tätig und hat dort Erst- und Zweitsemestern programmieren beigebracht. Julia hat in Jugendzentren verschiedene medienpädagogische Projekte, unter anderem kleine Programmier-Workshops für Kinder und Jugendliche, angeboten. Wir beide haben das mit Spaß gemacht. Bei dieser Kombination an Vorerfahrung und Passion zur Lehre und dem Umgang mit jungen Menschen führte quasi kein Weg an der gemeinsamen Unternehmensgründung vorbei. Wir haben die Codenauten gegründet, weil das unser Weg ist, die Welt mitzugestalten.

Die zunehmende Digitalisierung betrifft jeden Einzelnen von uns. Inwieweit ist speziell euer Angebot interessant für die Metropolregion?
Wir möchten Programmieren zur Grundfähigkeit für jeden machen – das bedeutet, dass man bei uns kein Mathe-Genie sein muss, um Programmieren zu lernen. Wir entdecken Nachwuchstalente und fördern so die digitale Zukunftsfähigkeit der Region. In unseren Kursen nutzen wir bereits frühzeitig „echte“ Programmiersprachen und Arbeitsweisen der Softwareentwicklung, so bereiten wir unsere Nachwuchstalente auf ihre Zukunft vor. Mit unserer Next Gen Developer School verfolgen wir ein ähnliches Konzept wie bei den Pfadfindern. Abzeichen für errungene Meilensteine sollen motivieren; das nächste Level soll das Ziel sein. Uns ist es dabei besonders wichtig, nicht einfach nur eine Programmiersprache zu vermitteln, in unseren Kursen legen wir großen Wert darauf, praktisch zu arbeiten und sich kreativ mit Projektideen zu befassen. Zur Umsetzung eines großen Projekts, gehört viel Planung, Strukturierung und Teamkoordination dazu. Und das Vermitteln dieser Skills gehört genauso zu einer Developer School wie das
Programmieren selbst.
Am 24. Juni findet der erste bundesweite Digitaltag statt. Damit folgt Deutschland dem Vorbild der Schweiz, wo der Digitaltag bereits vor zwei Jahren initiiert wurde. Zeigt das, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung nachhinkt und dass es hier Nachholbedarf gibt? Für wie wichtig haltet ihr solche Veranstaltungen? Und unterstreicht das noch einmal, wie bedeutsam es ist, bereits junge Menschen auf die Digitalisierung adäquat vorzubereiten?
Solche Veranstaltungen, wie der Digitaltag, sind immer wichtig, denn sie machen auf Themen aufmerksam und machen sie zugänglich für jeden. Dass Deutschland in der Digitalisierung nachhinkt ist kein Geheimnis, vor allem in Sachen Bildung und beim richtigen Umgang mit Technik sollte mehr passieren. Entsprechend natürlich auch in Bezug darauf, dass junge Menschen besser auf die digitale Zukunft vorbereitet werden. Wir hoffen sehr, dass der Digitaltag in Deutschland dazu beiträgt.

Außer beim Hackathon, der „Idee 2018“ und vielen anderen Veranstaltungen, habt ihr letztes Jahr am Awesome Project Braunschweig teilgenommen und dabei die Summe von 1 000 Euro gewonnen. In welches Projekt floß der Gewinn?
Wir haben ein Kartenspiel zum Programmieren lernen entwickelt, das wir auch als Lehrmaterial in unseren Kursen nutzen. Von dem Geld haben wir einige Prototypen gefertigt, die mittlerweile in der Region im Umlauf sind und von Jugendlichen gespielt werden. Wenn wir die Produktionskosten senken können, möchten wir weitere Spiele an beispielsweise Jugendzentren verschenken. Momentan fertigen wir unsere Spiele von Hand selbst.

Was macht die Spieleproduktion so teuer?
Die meisten Spiele-Firmen produzieren nicht unter 1 500 Einheiten. Die Erstellung der Spritzgussform für unsere kleinen Astronauten-Spielfiguren alleine kostet leider schon einige tausend Euro, dazu kommen dann natürlich die Karten, Kristalle, Siegpunktemarker und Co. Die Produktion unseres Programmier-Lern-Kartenspiels in höherer Stückzahl wird also erst einmal nicht passieren. Außer, jemand möchte 1 500 Stück auf einmal. (lacht)
Astronauten Spielfigur vom Kartenspiel art
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Im Rahmen eines mehrtägigen Schulworkshops mit einer Klasse aus Königslutter konntet ihr bereits Erfahrungen mit Schulen sammeln. Welche Rückmeldungen habt ihr von den Schülern erhalten?
Die Schulklasse aus Königslutter sollte letzten Sommer eigentlich drei Tage bei uns im Trafo Hub zu Gast sein. Aus den drei Tagen wurden schnell vier, weil die Schüler so einen Spaß hatten, dass sie noch einen Extratag ausgehandelt haben. Auch heute stehen wir noch mit einigen Schülern dieser Klasse in Kontakt und helfen ihnen dabei, eine Ausbildungsstelle zum Fachinformatiker zu finden. Schon alleine, dass einige Schüler uns Emails schreiben und sich nach neuen Programmieraufgaben und Ausbildungsstellen erkundigen, ist eine enorm positive Rückmeldung für uns. Wir haben bei einigen Schülern ein Interesse geweckt, das sie vorher nicht für möglich gehalten haben. Das macht uns wirklich glücklich. Natürlich will nicht jeder Programmierer werden. Eins der Mädchen hat nach unserem Kurs für ihren kleinen Bruder selbstständig ein Lern-Quiz programmiert und ist glücklich über ihr neues Grundverständnis. Beruflich ausbauen möchte sie das Erlernte aber nicht. Aber genau das ist doch, was wir erreichen möchten – ein Grundverständnis im Programmieren für jeden.

Ihr erklärt das Programmieren mit einem sehr ungewöhnlichen Einstieg: Ihr vergleicht einen Algorithmus mit der Zubereitung eines Sandwiches …
Algorithmen sind überall: In Computern, der Natur oder eben einem Käse-Sandwich. Je nach Algorithmus beziehungsweise Sandwich-Rezept, kann das Ergebnis unterschiedlich aussehen - es kommt auf die Genauigkeit des Algorithmus beziehungsweise der Anleitung an. Mit solchen Ergebnissen zeigen wir deutlich auf, dass ein Computer nicht interpretieren kann, was der Mensch meint. Kleinschrittig und genau zu denken und zu planen, ist die Grundfähigkeit eines Programmierers. Die Schüler sagen uns, wie das Sandwich zubereitet werden soll und wir tun es – ohne zu hinterfragen – wie ein richtiger Computer.
Anfang April hat euch der Niedersächsische Ministerpräsident Grant Hendrik Tonne im Trafo Hub besucht und ihr konntet ihm euer Konzept und euer Spiel vorstellen. Warum war er da und wie kam es zu dem Treffen?
Eine passionierte Lehrerin hatte Grant Hendrik Tonne auf uns aufmerksam gemacht und so kam der Besuch zustande. Wir fanden es sehr spannend, mit ihm über die Bildungszukunft in Niedersachsen zu sprechen und konnten ihm, gemeinsam mit dem Trafo Hub, neue Möglichkeiten des Lernens aufzeigen, die in Niedersachsen schlummern. Sowohl mit unserem Konzept, als auch den Räumlichkeiten haben wir ihn, hoffentlich, begeistern können. Unser Spiel hat ihn auf jeden Fall gefesselt. Ein paar eingeladene Schüler haben es ihm erklärt und gezeigt, wie man damit Programmiercodes lesen lernt.

„Code ist die neue Weltsprache“

Codenauten Karten vom Kartenspiel art
Ihr würdet eurer Spiel, beziehungsweise eure Dienstleistungen gerne an Schulen zur Verfügung stellen. Klingt einfach, doch ihr müsst noch einige Hürden dabei überwinden, wie ihr bei dem Besuch von Tonne festgestellt habt …
Schulen arbeiten meist sehr bürokratisch und bis man als Dienstleister an den Schulen etwas bewirken kann, vergeht oft eine ganze Zeit und viele Anträge müssen gestellt werden. Aber wir wollen loslegen. Wir wollen nichts lieber, als jungen Menschen das Programmieren beibringen, also holen wir sie erst einmal in unsere Räumlichkeiten, unabhängig von Schule.

Viele Unternehmen klagen über den Fachkräftemangel und schlecht ausgebildete Schüler. Wie muss sich die Institution „Schule“ entwickeln, um den Ansprüchen des Arbeitsmarktes gerecht zu werden?
Die Lehrinhalte von Schulen sind oft veraltet, vor allem der Bereich der Informatik entwickelt sich so rasant: Gerade Aktuelles ist bald wieder ein alter Hut. Ohne sehr passionierte Lehrer kann die Entwicklung der Informatik gar nicht so schnell abgebildet und vermittelt werden, wie sie sich wieder geändert hat. Schule sollte agiler werden. Aber das ist in dem Ausmaß natürlich leichter gesagt, als getan.

Ihr wollt aber nicht nur mit Schulen kooperieren, sondern auch mit regionalen Unternehmen. Welche Dienstleistungen könnt ihr anbieten?
Das ist richtig. Wir bringen nicht nur Kindern und Jugendlichen das Programmieren bei, sondern arbeiten auch mit Unternehmen der Region zusammen, indem wir ihre Mitarbeiter weiterbilden oder auch mal in die Welt der Programmierung schnuppern lassen, was sie so bisher nicht konnten.


www.codenauten.io

Interview & Fotos Kerstin Lautenbach-Hsu

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