Kennt ihr eigentlich schon...

...die helfende Hand Simone Glindemann?
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Zwischen all der Internet-Hetze und allgegenwärtigem Egoismus verstecken sich hier und da immer wieder auch gute Seelen, die sich aufopfernd für andere einsetzen, helfen und sich engagieren. Simone Glindemann ist eine davon – als Gründerin der Facebook-Gruppe „BS hilft BS“ schuf sie eine gemeinnützige Plattform, in der jedes Anliegen ein offenes Ohr und jedes Problem eine Lösung findet. Mit rund 3 800 Mitgliedern wachsen die Möglichkeiten der 2014 gegründeten Gruppe, Großes zu bewirken, stetig. So können gemeinschaftlich Freizeitaktivitäten organisiert, Weihnachtsgeschenke für Bedürftige gesammelt und gegenseitige Unterstützung angeboten werden. Für ihre ehrenamtlichen Heldentaten wurde das „BS hilft BS“-Team um Simone im vergangenen Jahr für den „Gemeinsam-Preis“ nominiert. Das alles schafft Simone neben ihrer selbstständigen Tätigkeit als gerontopsychiatrische Betreuungskraft, der sie seit vielen Jahren nachgeht. Anpacken statt zugucken ist ihre Devise und so setzt sich die gebürtige Braunschweigerin darüber hinaus seit über 30 Jahren für Tierschutz in Vereinen sowie im In- und Ausland ein. Sie selbst hat zwei Hunde, die die 52-Jährige in ihrer Freizeit liebevoll umsorgt. Warum es für viele andere schwierig ist, sich sozial einzubringen und warum man sich trauen soll, Hilfe anzunehmen, hat Simone uns verraten.
Warum ist es so wichtig, anderen Menschen zu helfen?
Weil die Welt schon kalt genug ist und jeder auf irgendeine Art helfen kann. Alleine erreicht man etwas, gemeinsam erreicht man mehr. 

Kriegt man auch Dankbarkeit, Hilfe und Anerkennung zurück? Hast du dazu vielleicht eine kleine Anekdote auf Lager?
Natürlich! Ein Lächeln und ein ehrlich gemeintes „Danke“ ist für mich schon Anerkennung genug. Meine Gruppe hat mich auf unserer Weihnachtsfeier vor zwei Jahren als Dankeschön total lieb mit einem Fallschirmsprung, einem Wellnessgutschein und süßen, handgemachten Kleinigkeiten überrascht. Da habe ich mich sehr drüber gefreut. 

Hattest du schon immer so eine soziale Ader oder gab es einen speziellen Auslöser für ein Engagement?
Mein Berufswunsch war mit 12 Jahren schon Sozialpädagogin oder irgendwas in der Richtung. Angeblich war ich damals aber zu zu sensibel und ich sollte „was Anständiges“ lernen… Also habe ich dann im Einzelhandel gearbeitet. 

Wie bist du zur Pflege gekommen?
Als meine Oma an Alzheimer erkrankte, wollte ich mehr darüber erfahren und machte 2009 eine Ausbildung zum Alltagsbegleiter und anschließend zur gerontopsychiatrischen Betreuungskraft. Einzelhandel war nie wirklich meins und zu eintönig. Die Betreuung gibt einen einfach etwas zurück. 
Woher schöpfst du deine Kraft für all dein Engagement?
Hauptsächlich über meine Hunde, die mich immer wieder erden und alles vergessen lassen. Aber auch  Yoga hilft mir gut beim runterkommen.

Welche Tipps hast du für diejenigen, die sich auch sozial oder für Tiere engagieren wollen?
Durchhaltevermögen und ein dickes Fell. Man muss sich die Probleme anderer nicht zu seinem Problem machen. 

Warum fällt es vielen so schwer, zu helfen?
Vielleicht die Angst, etwas falsch zu machen oder aufdringlich zu erscheinen. Oft ist es aber auch einfach nur der pure Egoismus, jeder ist sich selbst der nächste. 

Wie kann man sich engagieren? Wie kann man insbesondere den immer älter werdenden Menschen helfen?
Da gibt es so viele Möglichkeiten! Gerade bei älteren Menschen, die vielleicht schon im Heim leben. Einfach mal in ein Heim gehen und fragen, ob Bedarf zum Spazierengehen oder vorlesen besteht. Oder der Nachbarin beim Einkauf helfen…
Wie gehst du mit Sozialschmarotzern um?
Kann ich nicht gut vertragen und werde dann auch schon mal ungehalten.  

Was tust du, um besonders schwere Schicksale nicht so sehr an dich persönlich heranzulassen?
Absolute Schwäche von mir. Mit wirklich schweren Schicksalen kann ich schlecht umgehen und lasse es oft viel zu sehr an mich ran. 

Ist Deutschland ein soziales Land?
Kommt darauf an, von welcher Seite man es betrachtet. (lacht) Eigentlich schon, zumindest haben wir viele Stellen, wo man Hilfe bekommen kann. Es gibt aber auch leider oft Situationen, wo die Menschen einfach alleine gelassen werden.

Ärgerst du dich über Menschen, die sich nicht so sehr engagieren?
Ärgern nicht, ich finde es schade. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, die Gesellschaft etwas wärmer zu machen.
Sind Tiere die besseren Menschen?
Für mich persönlich ganz klar ja! Zumindest sind sie ehrlicher und unvoreingenommen. (lacht)

Du hast dich auch im Ausland für Tierschutz engagiert. Wie waren deine Erfahrungen dort?
Zum einen sehr schön, wenn ich gesehen habe, dass sich etwas positiv verändert hat durch die Hilfe oder wie die Tiere aufgeblüht sind. Auf der anderen Seite ganz grausam, wenn ich gesehen habe, zu was Menschen alles fähig sind, wenn sie Tieren Leid antun. 

Was war der Anlass der Gruppengründung von „BS hilft BS“?
Mir war 2014 keine Gruppe in dieser Art bekannt und viele Hilfegesuche gingen in anderen Gruppen komplett unter. Die Gründung war damals total spontan und blauäugig. Mit der Zeit hat sich alles etwas gefestigt und wir haben schon viele tolle Aktionen – besonders für Kinder –  gemacht und wirkliche Hilfe leisten können. Zuletzt konnte unsere Gemeinschaft es ermöglichen, dass 16 Waisenkindern der Herzenswunsch, sich einmal in Hamburg „König der Löwen“ anzusehen, in Erfüllung ging.
Wie schwierig  ist die Administration einer Gruppe mit knapp 4000 Mitgliedern?
Mittlerweile ist leichter als damals, wo es nur 500 Mitglieder waren. Der Anfang war sehr chaotisch. Die Gruppe trägt sich mittlerweile gut alleine. Neben mir gibt es noch zwei weitere Admins und einen Moderator, aber wir müssen selten eingreifen.  

Wie gehst du mit Hate Speech und Hetze-Kommentaren um?
Gibt es so gut wie nie bei uns. Kommt es wirklich vor, dass jemand wirklich beleidigend wird, dann zeigen die Admins gerne den Ausgang.

Warum bedarf es so vieler Regeln beim Helfen in der Gruppe?
Die chaotische Anfangszeit und mit Zunahme der Mitglieder wurde es einfach nötig, ganz klare Regeln aufzustellen.  Seitdem wir die Regeln haben und jeder weiß, was in welchem Rahmen wie erlaubt ist, läuft es ruhig, friedlich und diszipliniert.
Was hat dir die Nominierung für den „Gemeinsam-Preis“ bedeutet?
Das war schon eine tolle Anerkennung! Auch wenn wir keinen Preis gewonnen haben, zeigte uns die Nominierung doch, dass wir wohl auf dem richtigen Weg sind, die Leute zum Helfen zu animieren und zusammen zu bringen.

Gibt es auch für diejenigen, die kein Facebook haben, einen anderen Weg, der Initiative beizutreten?
Momentan leider noch nicht. Aber für 2020 ist die Gründung eines Vereins geplant. Dann gibt es uns auch außerhalb von Facebook.

Interview Louisa Ferch

Foto Simone Glindemann

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