Kennt ihr eigentlich schon...

... Markus „Mandelmeier“ Meier?
NW Mandel Meier Benyamin Bahri art
Endlich wieder Weihnachtsmarkt! Dazu gehören nicht nur Glühwein und ein halber Meter Bratwurst, sondern auch handgebrannte Mandeln von Mandelmeier – ganz klar. Bei keinem anderen Mandelbrenner stehen die Leute so gern und lange Schlange. Grund hierfür: Die einzigartige, traditionelle Herstellungsweise, die Inhaber Markus Meier vor ziemlich genau 25 Jahren von seiner Vorgängerin erlernt hat. Seit jeher kann man ihm auf dem Weihnachtsmarkt dabei zusehen, wie er in einem großen Kupferkessel Zucker karamellisiert und eine Fuhre spanischer Laguetta Mandeln nach der anderen schwenkt.
Tatsächlich ist das Mandelmachen ein Knochenjob, was sich zum Beispiel an Herrn Meiers muskulösen Unterarmen bemerkbar macht. Allein auf dem Weihnachtsmarkt produziert er per Hand jährlich etwa eine Tonne gebrannte Mandeln, täglich bis zu 13 Stunden am Stück mit einer Verbrennung von etwa 6.000 Kilokalorien. Profisportniveau! Drei harte Buchenholzlöffel werden in dieser Zeit verschlissen. In 25 Jahren hat er rund 100 Millionen Rührbewegungen absolviert, wie er sagt, und nicht zuletzt steht der 50-Jährige mit seinem Handwerk bis heute ungeschlagen im Guinness-Buch der Rekorde. Doch sein Orthopäde kann keine außergewöhnliche Abnutzung von Mandelmeiers Gelenken feststellen.
Herr Meier ist sehr wissenschaftsinteressiert und arbeitet mit einer besonderen Analytik und Systematik. Bevor er das Mandelmachen begann, hat er mal bei Siemens Energieanlagen-Elektroniker gelernt und sogar ein paar Semester Informatik studiert. Beim Rühren hört er gern Wissenschaftssendungen im Radio und überhaupt umgibt ihn eine sympathisch-leichte Nerdigkeit, die sicherlich auch zur Qualität seiner Arbeit beiträgt. Als Ausgleich zur Arbeit liebt er es, sich in kreativen Ideen für Erfindungen aller Art zu verlieren. Seit er sechs Jahre alt ist, sammelt er Skizzen und Konzepte in einer Mappe. Das Rühren im Kessel wird ihm aber wohl nie eine Maschine oder Erfindung ersetzen.
Herr Meier, man sagt, ihr rechter Arm sei viel dicker als der linke. Stimmt das?
Das ist tatsächlich so, gerade am Unterarm. Nicht so extrem, wie bei Profi-Tennisspielern, weil ich ja auch mal wechsele, aber die Aufgabenverteilung ist klar. Rechts der Buchenholzlöffel, links die Kesselbewegung. Da wird natürlich unterschiedliche Muskulatur angesprochen. Und ich versuche, möglichst den gesamten Körper miteinfließen zu lassen, um die Belastung gut zu verteilen.

Können Sie denn eigentlich auch mit Links rühren?
Ja, das mache ich zum Beispiel, um auf dem Weihnachtsmarkt den rechten Arm zwischendurch zu entlasten. Das habe ich mir beim Weltrekordversuch beigebracht.

Wie gehen Sie mit der Anstrengung um?
Manchmal bin ich so übermüdet, dass ich während des Rührens einschlafe. Das ist mir auf dem Weihnachtsmarkt schon passiert. Das ist ein lustiges Ding, da kann ich drüber lachen. (lacht)

Ist Ihnen von dem ganzen Dampf eigentlich schon einmal schwindelig geworden?
Ich habe einen großen Vorteil: Ein Ventilator direkt am Kessel hält den heißen Zuckerdampf weitestgehend fern. Sonst hätte ich wahrscheinlich schon längst eine kaputte Lunge.

Machen Sie sich bei der Belastung auch mal Sorgen um Ihre Gesundheit?
Klar, gewisse Überlegungen habe ich schon manchmal gemacht – was, wenn man mal krank werden sollte? Aber zu viele Sorgen habe ich mir nie gemacht, das blockiert nur den Geist und sorgt dafür, dass der Körper verspannt. Das ist wohl einer der Gründe, warum ich so entspannt arbeiten kann. Ich war in den ganzen 25 Jahren noch nicht einmal ernsthaft krank, habe keine richtig fiese Muskelverspannung gehabt, keinen Bruch oder ähnliches. Ich gehe auch ganz bewusst keine Risiken ein. Ich brauche meine Arme, um davon leben zu können.

Ernähren Sie sich besonders gesund?
Ich schlucke seit 20 Jahren täglich massiv Nahrungsergänzungsmittel. Davon kann man halten, was man will, aber was mein Körper nicht hat, kann er nicht verarbeiten. Vitamine, Mineralstoffe, Glucosamin, Chondroitin, Hyaluronsäure für die Gelenke und all sowas. Ich bin davon überzeugt, dass meine Gelenke deswegen noch so gut funktionieren.
Ist Ihnen nicht kalt, bloß im Hemd an der frischen Luft?
Sonderlich warm ist es nicht, aber hinterm Kessel arbeite ich mich schnell warm. Mandeln von Hand zu machen, ist körperlich sehr anspruchsvoll und mühselig.

13 Stunden nonstop Rühren auf dem Weihnachtsmarkt – wie halten Sie das durch?
Fenchel-Tee, der schmeckt, wärmt und ist gesund. Außerdem Proteinriegel und andere energiereiche Nahrung, die gut für die Muskulatur ist. Kurz vor dem Weihnachtsmarkt decke ich mich für rund 400 Euro einmal ordentlich mit Sportlernahrung ein, um meinem Körper die Stoffe zu geben, die er benötigt um diese Leistung bringen zu können.

Kommen Sie überhaupt richtig zum Essen?
Einige Male hatte ich nicht genug gegessen, sodass mein Körper an die Energiereserven musste. Abends im Feierabend, wenn ich zur Ruhe komme, fängt mein Körper dann an zu kribbeln und ich merke: Verdammt! Ich habe eine Unterzuckerung, und breche zusammen. Das ist mir schon einige Male passiert. Sehr unangenehm. Ich sollte vielleicht mal mehr meiner Mandeln essen! (lacht)
Können Sie gebrannte Mandeln denn überhaupt noch sehen?
Wenn man ein Vierteljahrhundert mit der Ware zu tun hat, geht das übers Naschen nicht mehr hinaus. Das heißt aber nicht, dass ich keine Süßwaren mag. Ich esse besonders gerne Lakritz. Aber ich habe auch das Glück, dass ich durch meine Arbeit sehr viel Energie verbrenne.

Essen Sie auch Mandeln von der Konkurrenz?
Zum Probieren höchstens mal, um die Qualität zu beurteilen. Manchmal begutachte ich Mandeln von Kunden oder aus dem Freundeskreis. Aber eine ganze Tüte schaffe ich nicht mehr. (lacht)

Warum hält eigentlich jeder Ihre Mandeln für die besten weit und breit?
Es ist die Transparenz, der Kunde kann zuschauen. Der Kunde kann sehen, wie produziert wird, woher die Ware kommt und wie frisch sie ist.
Haben Sie viele Nachahmer?
Als ich das Geschäft übernommen habe, war ich meines Wissens nach der Einzige in der Gegend. Heute gibt es auch Nachahmer, allerdings auch manche, die vorne einen mit nem Kessel hinstellen und hinten die Maschine laufen haben.

Halten Sie ihr Rezept geheim?
Ich achte sehr darauf, dass niemand filmt. Das wäre die einzige Möglichkeit, es richtig nachzuahmen. Da habe ich schon sehr ein Auge drauf.

Haben Sie am Rezept Ihrer Vorgängerin jemals etwas verändert?
Die ursprüngliche Rezeptur ist hervorragend. Ich habe sie nur ein kleines bisschen verfeinert, indem ich mehr Butter beifüge. Das macht das Produkt noch hochwertiger.

Was ist das Geheimnis Ihrer Mandeln?
Im Vergleich zu den Rührmaschinen der Konkurrenz kann ich beim Rühren von Hand mehr Parameter beeinflussen: Hitze, Rührgeschwindigkeit, Luft, Kühlung… Ich hab die ganze Zeit ein Auge auf den Kessel und kann sofort reagieren. Dadurch entsteht die hohe Qualität. Die Kraft, die man investiert, bleibt in der Qualität hängen.

Und sie rühren Herz und Leidenschaft in Ihre Mandeln.
Das kann man so sagen. (lacht) Man muss lange üben und viel Erfahrung entwickeln. Eine Maschine kann jeder bedienen.

Was begeistert Sie so sehr an den Mandeln?
Ich habe sofort verstanden, dass ich ein tolles Produkt bekommen habe, das ich herstellen darf. Aber besonders viel Freude bereitet mir von Anfang an der Umgang mit den Menschen. Bei Siemens habe ich eher wenig soziale Kontakte gehabt, wenn ich stundenlang in Schaltschränken gesessen und verdrahtet habe. Jetzt macht es mir wahnsinnig viel Spaß, mich mit Leuten austauschen, Feedback zu bekommen und mich zu unterhalten. Das hat mich auch persönlich über all die Jahre auch sehr aufgebaut. So einen Arbeitsplatz hat sonst kaum jemand heutzutage. Im Alltag sind die meisten Menschen gestresst. Wo ich arbeite, da verbringen die Leute ihrer Freizeit, sind entspannt, gut gelaunt und wollen mit Familie und Freunden Spaß haben – Jahrmarkt, Weihnachtsmarkt, Altstadtfest.
Und was, wenn Sie mal gestresst sind und einen schlechten Tag haben?
Das kann manchmal schon eine Herausforderung sein. Man trifft auch mal auf Mitbürger, die etwas kompliziert sind. Wenn zum Beispiel wegen des Preises verhandelt wird. Das ist aber extremst selten.

Wie fühlt sich das an, als bester Mandelmann in der Region bezeichnet zu werden?
Das ist ein sehr angenehmes Gefühl, positiv bekannt zu sein. Aber ich bilde mir nichts drauf ein. Ich bin kein Mensch, der daraufhin abhebt. Ich bin auch ein Mensch wie jeder andere.

Können Sie den Hype um Ihre Mandeln immer nachvollziehen?
Heutzutage ist alles verpackt, steril, intransparent. Ich habe noch nie vorverpackte Ware verkauft.

Fragen Sie sich manchmal, warum die Leute bei der langen Schlange nicht einfach zur nächsten Mandelbude gehen?
Wenn ich der Kunde wäre, würde ich mich wahrscheinlich auch hier anstellen. Es ist eben nicht nur das Produkt, sondern von Anfang an ganz viele Gedanken, der Kunde soll möglichst gut bedient werden und gute Ware bekommen .

Wie finden Sie es, wenn Leute, denen die Schlange zu lang ist, woanders hingehen?
Begeistert bin ich natürlich nicht, das liegt ja in der Natur der Sache. Aber das kann jeder selbst entscheiden.
Haben Sie denn mal geplant, zu expandieren?
Meiner Frau und meinem Sohn habe ich das Handwerk beigebracht, auch einfach um ein Wissens-Backup zu haben. Es wäre schade, wenn das verloren gehen würde. Daher kam dann auch die Idee, für den Weihnachtsmarkt einen Stand mit zwei Produktionsstellen zu bauen.

Soll einer Ihrer drei Söhne das Geschäft mal übernehmen?
Ich lasse ihnen da völlig freien Raum, wobei ich ohnehin nicht vorhabe, irgendwann in absehbarer Zeit abzugeben. Wenn sie das irgendwann mal machen möchten, können sie das gerne tun. Im Moment sollen sie erst einmal alle vernünftige Ausbildungen machen, dann sehen wir mal weiter.

Was sagen Sie eigentlich zum Trend Zuckerfasten?
Da hab ich eine eindeutige Meinung: Man darf es nicht übertreiben, wie mit allen anderen Dingen im Leben auch. Gebrannte Mandeln sind kein Grundnahrungs- sondern ein Genussmittel. Das sage ich auch immer wieder der Kundschaft. Ich habe übrigens mal versucht, Diabetiker Mandeln herzustellen und musste in dieser Zeit feststellen, dass unser Haushaltszucker absolut einzigartig ist. Alle Ersatz- und Ausstauschstoffe verhalten sich chemisch ganz anders. Daher gibt es für meine gebrannten Mandeln leider einfach keine Alternative zum Zucker.

Interview & Foto Benyamin Bahri

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de