Kennt ihr eigentlich schon...

… den neuen Filmfest-Direktor Andreas Lewin?
NW IMG 2817 Andreas Lewin by c Wojciech Szepel art
Schon mit 16 Jahren arbeitete Andreas Lewin in einem Mannheimer Kino als Filmvorführer, heute ist er Direktor des Braunschweig International Film Festival. Dazwischen liegen lange Jahre Filmleidenschaft als Schauspieler, Regisseur und Kurator; Studien in Berlin, Frankfurt und Dänemark, Schauspielengagements an Theatern in ganz Deutschland, die Leitung des Berliner Filmfestivals DOKUARTS, Tätigkeiten als Filmkurator in der ganzen Welt und nicht zuletzt Mitgliedschaften im European Documentary Network und in der European Film Academy. Vor der Kamera steht Lewin heute gar nicht mehr, dafür mit verschiedenen Lehraufträgen an zahlreichen Instituten als Dozent vor filmhungrigen Studenten. Seit Mitte Februar ist der heute 51-Jährige nun Nachfolger von Michael P. Aust, dem ehemaligen Leiter des Braunschweiger Filmfestes, und kümmert sich um Organisation und Logistik, Personalangelegenheiten und natürlich Finanzierung. Seine große Leidenschaft ist der Dokumentarfilm und eben diesen Schwerpunkt will er beim Filmfest weiter stärken. Das Festival, das im Corona-Jahr 2020 vom 2. bis 8. November online stattfindet, soll zukünftig noch bunter und vielfältiger werden. Lewin liebt Jazz, Latin und Klassik, fotografiert, gärtnert sowie kocht gern und wünscht sich einen Hund.
Wo soll die Reise des Filmfestes mit Ihnen als Kapitän hingehen?
Sicher an allen Eisbergen vorbei durch die pandemische Nacht ...

Wie hat es angefühlt, gleich nach Übernahme der Filmfestleitung mit der Corona-Krise überrumpelt worden zu sein?
Ich habe schon immer viel von zu Hause gearbeitet, insofern war für mich der Wechsel nicht allzu schwierig.

Und wie fühlt es sich heute, nach sieben Monaten Vorbereitung an?
Es ist ziemlich surreal, bei allen Risiken wieder in einem Büro zu sein.

Warum wird Kultur in Krisenzeiten (wie der aktuellen Pandemie) vernachlässigt? Ist Kultur entbehrlich?
Natürlich nicht. Die Gerechtigkeitsfrage tritt zu Corona-Zeiten nur noch stärker zu Tage, aber sie war auch vorher schon da.

Wie kann man die breite Masse stärker für Kultur begeistern?
Muss man nicht immer unbedingt. Manchmal finden die Leute auch selbst die Kunst oder Kultur.

Wie sehen Sie die Post-Corona-Zukunft von Filmfestivals?
Jetzt wird es sehr spannend, auch wegen des Klimawandels, der auch die CO2 Bilanz von Festivals in Frage stellt.
Meinen Sie, dass die ganze Kinobranche sich durch beziehungsweise nach Corona grundlegend verändern wird?
Die Kinobranche war auch vorher schon im Umbruch, Corona wirkt jetzt wie ein Katalysator für den Wandel, der längst begonnen hatte... Filmfestivals bilden schon seit einigen Jahren eine Art von Blase oder Insel für das Arthouse Kino.

Muss ein Film grundsätzlich idealerweise im Kino erlebt werden?
Wie stehen Sie zu Netflix & Co.?
Fangfrage! (lacht) Es gibt keine ideale Screening-Situation. Das Gute ist ja gerade, dass man vergisst, wo man ist, wenn man richtig in einen Film reingezogen wird.

Haben Filmfestivals – wie so vieles andere hierzulande auch – die Digitalisierung verschlafen?
Jein. Es sollte unbedingt auch weiterhin Festivals geben, die hauptsächlich Film analog vorführen, wie zum Beispiel das fabelhafte Il Cinema Ritrovato in Bologna.

Welche ist Ihre frühste prägende Filmerinnerung?
„Tarzan“. Ich hatte danach nächtelang Alpträume...

Haben Sie einen Lieblingsfilm?
Zur Zeit „The Truffle Hunters“ von Michael Dweck und Gregory Kershaw.

Und welcher ist der schlimmste Film, den Sie je gesehen haben?
Da muss ich passen... ich will mir ja keine Feinde machen.
Haben Sie einen Lieblingsregisseur?
Nein, aber eine Lieblingsregisseurin: Agnés Varda.

Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen und wie fanden Sie diesen?
Das war bei der letzten Berlinale kurz vor dem Lockdown: „Los Conductos“ in der Sektion Encounters. Der war mir zu öde egomanisch und formalistisch...

Gibt es ein Kino, dass Sie als ihr Lieblingskino bezeichnen würden?
Das Kino des Instituto Moreira Salles in Rio de Janeiro...

Sie wollen das Braunschweig Filmfest noch stärker auf der internationalen Bühne verorten. Lesen wir Braunschweig bald in einem Atemzug mit Cannes, Venedig und Berlin?
Mir geht es dabei eher um hausgemachte Diversität und internationale Partner und weniger um Glamour und große Bühnen.

Sie haben als Filmemacher und -kurator die Welt gesehen. Was ist ihr Eindruck vom beschaulichen Braunschweig?
Schön ruhig, sauber und grün! Wohltuend nach 20 Jahren Wohnen an der Schönhauser Allee in Berlin.

Hatten Sie schon vor der Filmfestleitung einen Bezug zur Region?
Zum letzten Mal habe ich als Schauspielstudent die Theaterformen im Gründungsjahr 1990 mehrfach von Berlin aus besucht.
Fühlen Sie sich als studierter Schauspieler vor der hinter der Kamera wohler?
Hinter der Kamera, da sieht man mehr.

Was für einen Film würden Sie drehen, wenn Ihnen unbegrenzte Mittel zur Verfügung stehen würden?
Einen Klimakatastrophenfilm.

Haben Sie neben dem Film eine andere große Lebensleidenschaft?
Ja, Urlaub und Reisen!

Was würden Sie tun, wenn Sie nochmal 18 wären?
Im Ausland studieren, Japanisch und ein Instrument spielen lernen.

Und wenn Sie eine Sache ihres bisherigen Lebens anders machen könnten, was wäre das?
Ich hätte auf der Frankfurter Schauspielschule bleiben sollen.

Wofür brauchen Sie am meisten Disziplin?
Für meine Steuererklärung.

Was würden Sie gern besitzen?
Einen Hund und ein gutes Gedächtnis

Was bringt Sie so richtig auf die Palme?
Meine Vergesslichkeit. (lacht)

Interview Benyamin Bahri
Foto Wojciech Szepel

User Rating: 0 / 5

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: redaktion@subway.de