… ist es wirklich schon so spät? Mit dem richtigen Zeitmanagement durch die Klausurenphase.
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Wie konnte das wieder passieren? Nur noch eine Woche bis zur Prüfung und du hast noch nicht mal in deine Notizen geschaut? Dann solltest du vielleicht dein Zeitmanagement überdenken. Bei vielen Studierenden klopfen demnächst zahlreiche Klausuren an die Tür – Uni, Freizeit und Nebenjob unter einen Hut zu bekommen, ist besonders dann eine große Herausforderung. Zeitmanagement ist das Stichwort, welches diese Phase erleichtern könnte. Wir haben deshalb Soziologin und Zeitmanagement-Coach Julia Willich um Rat gefragt. „Zeit lässt sich nicht wirklich managen – sie fließt und vergeht. Mit Zeitmanagement meine ich die Fähigkeit, auf der Basis bestimmter Techniken und Tools und vielleicht mit einer bestimmten Haltung zu den Dingen, Lebenszeit so autonom, mündig und sinnvoll wie möglich zu leben.“ Meist ist das eine sehr individuelle Angelegenheit – ebenso wie das Lernen. Der ein oder andere mag sich vielleicht schon mal mit unterschiedlichen Lernstrategien beschäftigt haben, um herauszufinden, welche persönlich am besten funktioniert. Den ganzen Tag von früh bis spät am Schreibtisch zu sitzen, während sich das Geschirr in der Spüle türmt und auch die letzte Chips-Tüte aufgegessen ist, ist jedenfalls gar nicht so produktiv, wie viele meinen. Oft resultiert dieses Verhalten nicht einmal aus außerordentlichem Fleiß, sondern aus der Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden. Diese Angst wiederum kommt meist daher, dass mit dem Lernen zu spät angefangen und der „imaginäre grobe Lernplan“ mal wieder nicht eingehalten wurde – und dann bricht der Stress aus und die Lernphase wird zum Horror. „Das Ziel von Zeitmanagement ist meiner Meinung nach nicht, stumpf immer mehr Effizienz aus der Zeit zu pressen. Es geht eher um Effektivität und letztendlich um Zufriedenheit. Gutes Zeitmanagement schraubt nicht nur am Optimum, sondern schafft Freiräume“, so Willich. Um das zu erreichen, muss allerdings so manche Gewohnheit umgekrempelt und durch eine neue ersetzt werden. „Zeitmanagement-Methoden und Tools sind meist sehr simpel. Man muss sich einfach damit auseinandersetzen und ausprobieren, was funktioniert und was nicht. Und das am besten schon bevor eine akute Stressphase beginnt“, erläutert die Expertin.
Aller Anfang ist schwer. Zum Einstieg hilft es, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen und diesen auch zu behalten. Dafür ist ein realistischer, strukturierter und vor allem kleinschrittiger Lernplan wichtig. Er gibt dir genau vor, was du wann zu tun hast, wie viel Zeit du für welche Aufgabe brauchst, wann du Verabredungen, Termine oder Freizeit hast. „Zeitmanagement ist besonders in Stressphasen wichtig, weil es dabei helfen kann, den Überblick zu behalten und Ruhe zu bewahren, wenn keine Zeit zum Nachdenken über Grundsätzliches bleibt“, betont Willich. Grundsatzfragen wie „Was will ich eigentlich?“ und „Was will ich auf keinen Fall?“, „Wer bin ich?“ und besonders wichtig: „Wer will ich sein?“ stehen am Anfang eines guten Zeitmanagements. „Je besser man sich und seine Ziele kennt, umso eher kann man sie in kleinere, handhabbare und anwendungsorientiere Abschnitte zerlegen“, so Julia Willich.
Weniger ist mehr
„Indem man mit kleinen Schritten anfängt und sich selbst nicht überfordert, machen Aufgaben mehr Spaß“, ist die Meinung der Expertin. „Das formal effizienteste Zeitmanagement ist nichts wert, wenn es überfordert oder nervt.“ Wunder bewirken deshalb nicht zu lange Lerneinheiten und regelmäßige, kleine Pausen. In dieser Zeit bekommt das Gehirn Zeit, das Gelernte nachhaltig zu verarbeiten – allerdings nicht, wenn du in dieser Zeit neue, überflüssige Informationen durch Facebook oder Instagram in dich reinpumpst. Lieber spazieren gehen oder den Abwasch erledigen – und schon kann ein neuer Punkt der To-Do-Liste abgehakt werden. Bist du ein früher Vogel? Lerne morgens und nutze deine produktiven Stunden, statt dich bis nachmittags in der Bibliothek aufzuhalten, obwohl du schon seit Stunden nicht mehr produktiv warst. „Es geht darum, dass jeder und jede sein beziehnugsweise ihr ,richtiges‘, das heißt funktionierendes Maß findet“, so Julia Willich.
Deine Motivation finden: Der Weg ist das Ziel
Das richtige Zeitmanagement hilft nicht nur dabei, seine Zeit besser zu nutzen, sondern auch sich zu motivieren. „Nicht die Methoden selbst, sondern das Gefühl, selbstbestimmt und befriedigend mit der eigenen Lebenszeit umzugehen, motiviert. Zeitmanagement kann ein Mittel sein, dieses Gefühl zu erzeugen“, erzählt Willich. Eine gute Note zu haben, für den Lernaufwand belohnt zu werden oder einfach nur zu bestehen – der Antrieb kann sehr individuell sein. Sich seine persönliche Motivation stets vor Augen zu führen und zu versuchen, durch Musik oder leckere Snacks die Lernphase so angenehm wie möglich zu gestalten, sind jedoch immer hilfreiche Methoden. Eine verdiente Belohnung und ein positiver Ausgleich zur anstrengenden Lernphase können ebenfalls durchaus anspornen, eine gute Leistung zu erbringen. „Außerdem hilft es, nicht nur auf das Ziel fokussiert zu sein, sondern bereits den Prozess und jeden einzelnen Schritt in die richtige Richtung bewusst auf der positiven Seite zu verbuchen. Wer abends ins Bett geht und regelmäßig mit dem, was er oder sie erledigt hat, zufrieden ist, sollte daran bloß nichts ändern“, rät die Expertin.

Das grosse Warum
Den Lernplan nicht einhalten, sich zu sehr stressen, nicht rechtzeitig anfangen, zu lange am Schreibtisch sitzen – viele wissen über ihre Schwächen, dennoch fällt es ihnen schwer, etwas zu verändern. Warum schaffen es so viele nicht, ihren Plan einzuhalten, früh genug anzufangen und konsequent zu sein? Warum ist es trotz zahlreicher Tipps so eine Herausforderung, die persönliche Zeit gut einzuteilen und dadurch Stress zu reduzieren? Julia Willich hat dafür eine Erklärung: „Zeitmanagement ist etwas, das man lernen muss. Sicher gibt es Typen, denen es leichter fällt als anderen. Leute, denen zum Beispiel Strukturiertheit oder Routinen vollkommen zuwider sind, haben es sicher etwas schwerer. Das A und O beim Zeitmanagement ist aus meiner Sicht die Gewohnheit. Die beste Methode ist weitgehend sinnlos, wenn sie nicht ein Stück weit auch zur Routine, zum Teil der eigenen Lebenswirklichkeit wird. Lieber etwas häufiger das grundsätzliche ,warum?‘ reflektieren und prüfen, ob die grobe Richtung stimmt, als jeden Morgen die Diskussion mit dem inneren Schweinehund über lästige Details und Aufgaben führen zu müssen“, erklärt Julia Willich. Abschließend gibt sie noch einen wertvollen Tipp: „Lernt, auch kleine Erfolge und Verbesserung wahrzunehmen und sie zu feiern!“
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Dirk, 29
studiert Elektrotechnik
„Meinen Lernplan halte ich leider nie ein, aber das plane ich meistens schon mit. Wenn der Plan sagt, dass ich eine Woche vor der Prüfung fertig sein soll, bin ich am Ende genau rechtzeitig fertig. Ich erfülle meinen Soll also nur, weil ich immer zu spät dran bin. Erst in Verzug zu sein spornt mich richtig an. Mein Lernverhalten ist deshalb leider nicht sehr nachhaltig. Bisher bin ich trotzdem immer sehr gut durchgekommen.“
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Friederike, 24
studiert Lehramt
„Ich versuche neben dem Lernen immer noch einen Ausgleich und etwas Zeit für mich zu haben. Ich weiß, dass ich nicht rund um die Uhr produktiv bin, deshalb gönne ich mir auch immer mal Pausen. Besonders Sport am Morgen hilft mir während meiner Lernphase, weil ich dadurch fitter in den Tag starte und meine Lernmotivation total gesteigert wird. Körperlich bin ich dann so ausgelastet, dass die Kopfarbeit danach richtig gut tut.“
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Katrin, 25
studiert Psychologie
„Einen richtigen Lernplan habe ich nicht, eher einen in Gedanken – ein festes Datum, bis wann ich fertig sein möchte. Tagsüber versuche ich dann immer, so viel wie möglich zu schaffen, um abends Zeit für was Schönes zu haben oder zum Sport zu gehen. Meine Lernphasen sind aber immer viel zu lang. Ich stresse mich immer viel zu sehr und bin am Ende viel zu früh fertig und ärgere mich, dass ich mir so wenig Zeit für Anderes genommen habe.“

Text Louisa Ferch
Fotos privat, lucky1984 - Fotolia.com

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