Wie organisiert man ein Auslandssemester mit der TU Braunschweig? Campusreporterin Kristin Schaper hat mit Studentin Lena über ihre Erfahrungen in China gesprochen.
C Club in Shanghai art
Du überlegst, ein Auslandssemester zu machen, weißt aber gar nicht, wo du mit der Planung anfangen sollst? Wir geben einen Überblick. Welche Aspekte sollten dringend beachtet werden, wo lauern Fallen und was, wenn du kurzfristig eine Absage des Studentenwohnheims erhältst und schnellstmöglich eine Übernachtungsalternative brauchst? Lena (22) ist das passiert. Für fünf Monate hat sie an der Tongji-Universität in Shanghai studiert. Die Studentin des Umweltingenieurwesens der TU berichtet von ihren Erfahrungen, gibt Tipps und verrät die Vorzüge Chinas.
„Während meiner Zeit als Au-Pair in der chinesischen Stadt Guangzhou habe ich mich in die Kultur verliebt. In das Land, die Leute und das Essen“, schwärmt Lena. Offenbar hat es ihr das Essen besonders angetan. Anfangs war sie noch skeptisch. Nie hätte sie erwartet, dass sie sich zwischen Huhn, Reis, Glasnudeln und Broccoli wie im Schlaraffenland fühlen würde. „Es gibt dort alles, bis auf Vollkornbrot mit Käse. Egal, nach welchem Gericht du fragst: Die Chinesen haben es und können sehr gut würzen.“ Auch wegen der Menschen wollte Lena wieder hin: „Sie sind nett, hilfsbereit und loben es, wenn man versucht, Chinesisch zu sprechen.“ Deswegen und weil sie vor hat, vielleicht später dort zu arbeiten, wählte sie China als Aufenthaltsort für ihr Auslandssemester. 
Mandarin ist nur ein Dialekt unter mehreren
Mit der Sprache hatte Lena keine Probleme. Als Au-Pair besuchte sie täglich einen vierstündigen Sprachkurs an einer Universität, in dem sie den Dialekt Mandarin lernte. Mittlerweile spricht sie diesen gut, vergleichbar mit dem Sprachniveau B2. Die Schrift, in der es für jede Silbe ein Zeichen gibt, beherrschte sie bis dahin noch nicht perfekt. Was nicht tragisch war. Das College für Umweltingenieurwesen bot Module auf Englisch an, die Lena mit Kusshand annahm. Generell seien Chinesischkenntnisse nicht verpflichtend, um die Zusage für ein Semester in China zu erhalten, erzählt Lena: „Die Auswahlkriterien sind nicht sehr hoch. Ich glaube, das liegt daran, dass China als Ziel weniger beliebt ist als beispielsweise die USA.“ Welche Kriterien müssen erfüllt werden, wenn die chinesische Sprache Nebensache ist? Vorab wurde an der TU Braunschweig ein English Language Proficiency Test absolviert, in dem Schreibfertigkeiten, Lese- und Hörverstehen geprüft wurden. Ein Mindestniveau müsse dabei nicht erreicht werden, erklärt sie. Um in China eine Chance zu haben, sei aber ein Empfehlungsschreiben eines Professors unabdingbar. Dort werde für alles eine persönliche Empfehlung benötigt.

Für das Auslandssemester wollte die angehende Umweltingenieurin zunächst wieder nach Guangzhou, aber dort hatte die TU keine Partneruniversität und Lena hätte alles mühselig auf eigene Faust planen müssen. Die klassische Methode über die Uni habe zum Vorteil, dass keine Studiengebühren in China anfielen, da schon in Deutschland dafür gezahlt wurde. Lenas Weg ins Ausland führte sie über das International Office der TU, welches beim Studierendenservice-Center eine Beratungsstelle hat. Schon im November musste sie sich bewerben, um im September des Folgejahres ihr Auslandssemester beginnen zu können: „Wer Interesse hat, sollte sich schon zu Beginn seines Studiums über Optionen, ins Ausland zu gehen, informieren, damit der Bewerbungszeitraum nicht verpasst wird“, rät Lena. Zum Zulassungsverfahren gehört ein Auswahlgespräch: „Anwesend sind jemand vom International Office der TU und ein Verantwortlicher für Internationalstudierende der Gastuniversität.“ Übrigens: Um sich Credits anrechnen zu lassen, muss noch in Deutschland gemeinsam mit der Uni ein Austauschplan erstellt und überprüft werden, welche Seminare zum deutschen Modulplan passen.
C Essen in China art
Was kostet China?
Nach Zusage der Tongji-Universität lagen Visum, Flüge, Finanzierung und Schlafplatz in Lenas Verantwortung. Die Uni schickte ihr mit der Bestätigung auf Zulassung sowie Immatrikulation ein ‚Admission Note‘, welches sie zusammen mit dem Visumsantrag und ihrem Reisepass bei der zuständigen Stelle in Hamburg einreichte. Gekostet hat sie das 125 Euro. Zusätzlich schloss die Studentin eine Auslandskrankenversicherung für 30 Euro im Monat ab, die sie online fand. Auslands-BAföG würde unter anderem die Kosten der Krankenversicherung übernehmen. Darauf oder auf ein Stipendium wie das DAAD-geförderte Programm PROMOS, an dem die TU teilnimmt, bewarb sie sich nicht. Zu spät erhielt sie die Zusage für den Studienplatz. Ihre Eltern übernahmen die Kosten des Fluges. Alles andere bezahlte sie von ihrem eigenständig verdienten Geld. Dafür gab sie einem 14-Jährigen Englischnachhilfe: „Er war nicht schlecht. Aber wie es in China ist, wollten seine Eltern, dass er noch besser wird. Ich verdiente 32 Euro pro Stunde und 160 Euro in der Woche. Es hieß, mit Studentenvisum sei das legal“, lacht Lena. Damit sei sie gut über die Runden gekommen. Vor allem, da das Essen in China günstig sei.
Regel Nummer Eins: In China läuft alles über Kontakte
Ursprünglich hatte sich Lena auf einen Platz im Studentenwohnheim beworben. Dazu gibt es unter den Bewerbungsunterlagen ein vorgefertigtes Formular. Doch kurz vor Reiseantritt folgte die Ernüchterung: Die Studierenden der TU, inklusive Lena, erhielten eine Absage des Wohnheims in China. Die Studentin hatte es für eine Selbstverständlichkeit gehalten, einen Platz im Wohnheim zu bekommen, war genervt, schnell musste eine Lösung her: „Das war schwierig. Die meisten suchten sich für den Übergang ein Hostel. Ich hatte Glück. Ein Freund kannte jemanden, der in Shanghai wohnte und mich für die erste Nacht aufnahm. Und der wiederum hatte Freunde, in deren WG ein Zimmer frei war, sodass ich dort am zweiten Tag einzog. Regel Nummer Eins: In China läuft alles über Kontakte und nichts ohne!“ In der WG blieb Lena nur einen Monat, da sie doch noch einen Platz im günstigeren Wohnheim mit einer monatlichen Miete von 100 bis 150 Euro bekam. Wohnungen mit westlichen Standards seien richtig teuer. 500 Euro zahlte sie alleine für das Zimmer in der WG. In China gibt es keine Kündigungsfristen, weshalb wenigstens der schnelle Auszug möglich war. Das Schlechte am Guten seien aber die dadurch zustandekommenden Betrugsfälle: „Studierende mieten Wohnungen, bezahlen die Kaution, um später feststellen zu müssen, dass die Bleibe ein Reinfall ist. Der angebliche Vermieter ist dann über alle Berge und das Kautionsgeld mit ihm.“ Für den Ernstfall empfiehlt Lena, sich immer eine Quittung geben zu lassen.
C Lena Heinecke 22 Chinesische Mauer art
Packliste: Ohropax und Tampons
Neben Familie und Freunden vermisste sie vor allem eines: Tampons! Die gebe es in China nur in großen europäischen Läden zu Wucherpreisen. Am Anfang ihres Aufenthalts durchstreifte Lena abends die Clubszene in Shanghai. Die Musik dröhnte in ihren Ohren, während Konfetti auf sie niederregnete. Einige ihrer Freunde betraten keinen Club ohne Ohropax. Es gab Live-Tänzer, die für Stimmung sorgten. Da Clubs dort beliebter sind, wenn westliche Leute mitfeiern, waren Eintritt und Getränke stets gratis. An freien Tagen und Wochenenden bereiste Lena das Land, lernte die Seiten Chinas fernab der Großstädte kennen. Mit ihren Freunden Lars (30) aus Deutschland und Arturo (28) aus Chile (Foto) fuhr sie mit dem Zug quer durchs Land zum Nationalpark Zhangjiajie. Die Fahrt dauerte circa 20 Stunden und die Studierenden hatten lediglich Tickets für das Hartsitz-Abteil. Die Polster stanken nach Rauch und zum Schlafen waren die Sitze zu unkomfortabel. Als sie an ihrem Ziel angelangt waren, wussten sie, wofür sie die kräftezehrende Fahrt auf sich genommen hatten: Die Aussicht und die grüne Natur seien einmalig gewesen. „Ein absoluter Kontrast zu Shanghai“, erzählt Lena hingerissen. „Die Berge sahen aus, als schwebten sie. Wie die Hallelujah-Berge aus dem Film Avatar.“
Ihre Zeit in China habe sie kulturell sensibler gemacht, blickt Lena zurück. Heute versteht sie Austauschstudierende, die nach Deutschland kommen, weil sie weiß, wie es sich in einem fremden Land mit all seinen Bräuchen und Gesten anfühlt.
Bist du startklar?
Willst du auch ins Ausland, ist gute Planung entscheidend. Welche Länder kommen in Frage? Welcher Zeitraum? In welcher Sprache möchtest du dich verständigen? Lieber Studium oder Praktikum? Hier die Fakten:

Vorbereitung Bei vielen Unis, Stipendien- und Förderprogrammen muss man sich schon anderthalb Jahre im Voraus bewerben. Die Mindest-Vorbereitungszeit beträgt aber ein Dreivierteljahr, für ein Praktikum etwas weniger. In dieser Zeit musst du alle Unterlagen für deine Bewerbungen zusammenstellen, Ausweich-Finanzierungspläne bereithalten und eventuell Sprach- und Aufnahmetests absolvieren.

Sprache Gute Kenntnisse der Landessprache sind oft Voraussetzung. Mit rechtzeitiger Vorbereitung kannst du dir die aber noch am Sprachenzentrum der TU oder an der Gasthochschule aneignen. Zu stressig? Viele Hochschulen bieten englischsprachige Studienprogramme an.

Finanzierung Ein Auslandsaufenthalt bedeutet meist eine finanzielle Mehrbelastung. Austauschprogramme und Förderungsmöglichkeiten wie Auslands-BAföG, Bildungskredite oder Stipendien helfen: Keine oder nur reduzierte Studiengebühren, oft Zuschüsse zu den Lebenshaltungs- und Reisekosten. Zudem sind viele Orga-Fragen schon geregelt und die Anerkennung der Leistungen sichergestellt, was auf eigene Faust möglich, aber aufwändiger ist.

Letzter Check Hast du alle Zusagen? Sind Personalausweis und Reisepass lange genug gültig? Wie steht es um die Kranken- und Haftpflichtversicherung im Ausland? Wie kommst du zum Reiseziel? Brauchst du ein Visum, eine Arbeitserlaubnis oder andere Nachweise an der Gastuni, die du nur von hier besorgen kannst? Hast du eine Unterkunft? Für das nötige Kleingeld solltest du Online-Banking eingerichtet haben. Eine Kreditkarte ist zumindest außerhalb Europas Pflicht und ein Dispokredit kann im Notfall Leben retten!

Alle Infos auf tu-braunschweig.de/international

Text Kristin Schaper
Fotos Irina - Fotolia.com, Lena Heinecke

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