Club- & Barhopping abseits des Mainstream: SUBWAY-Campus-Korrespondentin Kristin Schaper hat sich
zum Selbsttest hergegeben und einige Braunschweiger Party-Locations besucht.
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In Nylonstrumpfhosen den Allerwertesten abfrieren und Füße in High Heels wundlaufen: Eine Folter, der sich viele Mädels freiwillig unterziehen, um letztlich im Dax, Fieber oder Privileg fluchtartig von einer Ecke in die andere tanzen zu müssen. Das nur, weil sich Möchtegern-Styler in weißen Hemden mit Glitzerstecker im Ohrläppchen an Hintern reiben wollen. Unter dem Stroboskop fallen grundsätzliche Manieren weg. „Hi“ und Smalltalk werden übersprungen. Vielleicht ist das Auftakeln auch Türstehern gewidmet, die bewusst ausselektieren. So oder so: Das dichte Gedränge erschwert die Flucht. So verhält es sich auch auf der Mensaparty. Alle TU-Studierenden gehen hin, obwohl sie wissen, dass die Mensa überfüllt und die Akustik fürchterlich sein wird. Was kommt dabei raus? „Schützenfestatmosphäre“, wie Jonas (24) schlussfolgert. Hat Braunschweig nichts anderes zu bieten?
Monkey Island ist Schrill
„Leute, die das Fieber und die Mensaparty geil finden, trinken vorher auf dem Soldekk Aperol Spritz“, lacht Steffi (24) auf dem Weg ins Schrill. Es ist Donnerstag, 18 Uhr. Das Schrill ist eigentlich nur ein leerer Raum. Stahlträger und rausbrechende Backsteine machen den Charme des Rohbaus aus. Ins Leben gerufen von einer studentischen Initiative mit der Frage danach, wie mit Leerstand in Städten umzugehen ist. Es geht um Stadtmitgestaltung. Party gehört zwar auch zum Stadtleben, ist aber nicht Kernelement der Initiative. Dennoch könnte das Programm „Bunte Tüte“ zum Vorfeiern idealer nicht sein. Jeden dritten Donnerstag legen Studierende ihre persönliche Playlist auf. Wie der Titel verrät, können dort bunte Tüten, wie wir sie aus dem Schwimmbad unserer Kindheit kennen, gekauft werden. Heute läuft Electro. Wir wippen zur Musik, unterhalten uns und ich möchte wissen, wo in Braunschweig das Bier am günstigsten ist. „Im Monkey Island, weil das selbstverwaltet ist“, meint Daniel (27). Das Monkey Island befindet sich im Wohnheim „Affenfelsen“, von Studierenden für Studierende. „Es ist schwierig zu finden, weil kein Schild darauf verweist. Die Atmosphäre ist entspannt. Teilweise politisch. Es wird Bier getrunken und zu Papa Roach gegrölt“, berichtet Jana (22). Daniel fährt fort: „Sie bieten drei Biere fest an und jeden Monat gibt es ein Aktionsbier, das nicht immer im Supermarkt zu finden ist.“ Ihm fällt ein: „Ansonsten gibt es noch das Heat. Zehn Kurze, zehn Euro und du kannst sogar mischen.“
Im Schrill wird um zehn das Licht ausgemacht. „Sie nehmen Rücksicht auf die Nachbarn“, erklärt Jonas. „Deswegen wird auch immer um 18 Uhr angefangen.“ „Das Schrill ist gut, wenn Studierende ausgehen möchten, aber früh zur Uni oder Arbeit müssen“, zwinkert Steffi mir auf unserem Weg zu unserem nächsten Stopp, der Luke 6, zu.

Allein der Begriff „Dancefloor“ scheint furchtbar unangebracht

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Reeperbahn-Feeling und ­Axelstrudel
Dort machen wir einen kleinen Abstecher, um uns den besten Mexikaner Braunschweigs zu gönnen. „Der beste Mexikaner abseits meiner WG-Partys“, korrigiert Jana. Steffi und Jonas freuen sich auf das Herrengedeck: „Das sind ein kleines Bier und ein Mexikaner oder ein Pfeffi – aber wer will schon Pfeffi, wenn Mexikaner für 2,90 Euro zu haben ist.“ Die Luke ist urig, wie eine typische Hamburger Kneipe. Sie würde gut an den Hafen passen. Anschließend zieht es uns in die Haifischbar, von meinen Freunden liebevoll die „Haifi“ genannt. Die Getränke sind erschwinglich. Preislich unterscheidet sie sich kaum von denen der Luke und der Klaue, einer Rock- und Metal-Bar nebenan. In die Haifi geht es immer, wenn besprochen wird, wie der Abend weiterlaufen soll. Wenige Treppenstufen führen nach unten in einen kleinen, gemütlichen Keller mit Aquarium. Die Decken sind niedrig. Es ist sehr eng. Wir drängeln uns zur Bar durch. Steffi quatscht mit dem Geschäftsführer Axel, der auch hinter der Bar steht und arbeitet. Sie bestellt uns „Axelstrudel“-Shots. Axel nennt ihn gerne so, obwohl es sich dabei eigentlich um „Apfelstrudel“ handelt. Wir setzen uns nach draußen. Wenn es nicht zu kalt ist und drinnen zu voll, stehen oder sitzen die Leute auf der Straße. Ein Gitarrist kommt vorbei und setzt sich zu uns. Wir wünschen uns Lieder, unter anderem „All The Small Things“ von Blink 182, wie an einem Lagerfeuer. „Das Schöne an der Haifi ist, dass unterschiedliche Musik gespielt wird“, lobt Jana die Location. Deswegen quetschen wir uns doch noch auf die winzige Tanzfläche, auf der zehn Leute Platz finden, wenn sie kuscheln. Als wir uns ein Erfrischungsbier holen, bemerkt Steffi plötzlich, dass ihre Clutch verschwunden ist. Sie hatte ihre Tasche auf den Klamottenstapel geworfen, um tanzen zu können. Eine Bekannte weiß Rat: „Der Typ da hinten hat deine Tasche samt Perso geklaut.“ Schließlich stellt sich der Diebstahl als billige Anmache heraus. „Ich wollte Kontakt zu dir aufnehmen und wissen wie du heißt“, säuselt er. Abstrus. Der richtige Augenblick, um weiterzuziehen.
Willst du mit mir Drogen nehmen, dann wird es keine Scherben regnen
Aufgrund der Musik gehen wir mir zu Liebe ins Lindbergh. Es soll der einzige Rockclub in Braunschweig sein. Dafür ist der Dancefloor aber ziemlich minimalistisch. Allein der Begriff „Dancefloor“ scheint furchtbar unangebracht. Meine Enttäuschung ist groß. Es sieht hauptsächlich aus wie eine Bar. Das Licht und die Wände sind rötlich. Die Tanzfläche befindet sich abgetrennt hinter dem U-förmigen Barbereich. Sie ist leicht zu übersehen. Vor allem, wenn noch Leute davor stehen. Die Musik ist aber gut. Vielleicht ist das Lindbergh besser zum gemütlichen Trinken geeignet als zum Abrocken. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es für uns weiter. Das Eulenglück, kurz Eule, biete sich als Club an, in dem für beinahe jeden Geschmack etwas dabei sei. Sie spiegle den größten Querschnitt wider und mit mal mehr oder weniger Glück könne eine gute Nacht daraus werden, meinen zumindestens meine Kommilitonen. Außerdem verfügt die Eule über einen Bratwurststand und eine Nintendo 64. Wir entscheiden uns dagegen, da Steffi Birkenstocksandalen trägt und die Massen an Scherben, die unglücklicherweise auf dem Boden der Eule verteilt sind, darin stecken bleiben würden.
Am Ende unserer Clubtour möchte ich es aber doch noch mal wissen: Ist das Brain wirklich so ein Drogenclub? Daniel behauptet: „Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz: Jeder trinkt und nimmt nur so viel, wie er verträgt. Man ist offen dem Rausch gegenüber.“ „Einmal auf dem Weg zu den Toiletten“, erinnert sich Jana „drehte sich ein Typ eine Zigarette und ein Tütchen ragte auffällig aus seiner Tasche heraus.“ Jonas erwidert: „Ich denke eher, dass es dort nicht immer ein Draufsein im Sinne von Drogen ist, sondern von Musik.“ Am Eingang steigt mir der Geruch von Gras in die Nase. Das Brain ist sehr dunkel und arbeitet mit Lichteffekten. Auf der Tanzfläche stehen vereinzelt Menschen und schunkeln mit geschlossenen Augen auf kuriose Weise zu den sich wiederholenden meditavtiven Liedpassagen. Ich selbst müsste mir wohl erst eine volle Dröhnung verpassen, um die Musik zu ertragen. Immerhin sehe ich hier keine Anhänger des Glitzerohrstecker-Clans. Vielleicht wäre mit die Eule doch besser bekommen. 

Text Kristin Schaper
Fotos Gideon Rothmann

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