Nachhaltigkeit ist ein Riesenthema und eigentlich gibt es keinen der per se dagegen wäre – super Sache, logisch.
Leider scheint anfallender Müll im Unitagesgeschäft oft unvermeidbar.
Doch jetzt sagen Studis und Studentenwerk der Müllflut den Kampf an.
Wer vor ein paar Wochen noch am Nordcampus-Pavillon einen Kaffee und ein belegtes Brötchen kaufte, bekam den Pappbecher für den Kaffee und die Plastiktüte für den Snack gleich mit dazu. Wer dann direkt beherzt reinbeißen wollte, musste sich meist schon wenige Minuten nach dem Kauf von der Verpackung entledigen. Schneller Müll, der vermeidbar gewesen wäre. Ähnlich die Krux mit den Kaffeebechern. In Deutschland werden laut der Deutschen Umwelthilfe pro Jahr etwa 2,8 Milliarden Coffee-To-go-Becher verbraucht. Das entspricht 320 000 pro Stunde. Um die herzustellen, werden etwa 43 000 Bäume gefällt, circa 11 000 Tonnen Kunststoff verpulvert und eine Wassermenge eingesetzt, die dem Jahresverbrauch von 32  000 Deutschen entspricht, sowie Energie aufgewendet, mit der 100 000 Musterhaushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden könnten. An der TU selber sind es übrigens so um die 150 000 Becher pro Jahr. Irgendwie nicht so geil. Dieser verschwenderischen Praxis haben das Studentenwerk und studentische Initiativen jetzt den Riegel vorgeschoben.
Zäsur für die Natur
Ab sofort gibt es an allen Cafeterien der TU einen eigens vom Studentenwerk gebrandeten, roten Mehrwegbecher, der für vier Euro erworben und an jedem Kaffeeautomaten der TU befüllt werden kann. Andere selbst mitgebrachte Becher sind aber selbstverständlich auch kompatibel. Wer dennoch auf einen To-go-Becher aus Verbundstoff zum Wegwerfen besteht, zahlt ab jetzt bei jedem Heißgetränk einen Umweltzuschlag von 30 Cent. Durch diesen Zuschlag werden die Mehrwegbecher subventioniert, deren Einkaufspreis nicht durch die vier Euro gedeckt werden kann. Die Wegwerfbecher sind aber auch neu. Statt dem klassischen Design mit Plastikdeckel gibt es nun einen sogenannten „Butterfly Cup“, der ohne Deckel auskommt, da er oben nur zusammengefaltet wird.
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Die Einführung des roten Mehrwegbechers ging Hand in Hand mit einer weiteren Anpassung. Stephanie Molle, die Verantwortliche für den Nordcampus-Pavillon erklärt, wie es ab sofort läuft: „Im Zuge der Umstellung auf die Mehrwegbecher sind auch die Plastiktüten weggefallen. Jetzt gibt es Tüten aus Papier. Außerdem fragen unsere Mitarbeiterinnen jedes Mal nach, ob der Kunde wirklich eine Tüte braucht. Die meisten nehmen interessanterweise wirklich eine. Aber das liegt natürlich auch daran, dass wir immer schon auf To-go ausgerichtet waren.“

Wie die Neuerungen in der Studentenschaft aufgefasst werden? „Ich halte den Schritt für vernünftig, jetzt werden sicher mehr Leute auf das Thema aufmerksam gemacht. Ich habe aber schon vor der neuen Regelung immer meinen eigenen Kaffeebecher mitgebracht,“ sagt die 23-jährige Annabell. „Ich finde das Thema Umweltschutz sollte dem Verbraucher nicht so aufgezwungen werden. Außerdem sind die neuen Pappbecher einfach fürchterlich. Der sieht aus wie eine Gießkanne und verhält sich auch beim Trinken gießkannentypisch. Ich hab‘ mich damit schon oft fies bekleckert“, so Lukas (25). Für derartige Pannen würden in den Staaten sicherlich einige tausend Dollar Schmerzensgeld rausspringen, fällt hier aber leider flach. Bizarre Nebenwirkung des neuen Systems: Einige Studis verzichten mitunter gänzlich auf Kaffeegenuss: „Den neuen Einwegbecher finde ich einfach blöd und mit einem Mehrwegbecher ist es mir zu umständlich, da muss ich ja immer daran denken, den mitzunehmen“, Lisa-Marie (19). Schade Schokolade.
Engagierte Studis braucht das Land!
Mit diesen Einschnitten wurden Aktionen der studentischen Initiative Sandkasten und der Greenpeace-Hochschulgruppe, die schon im letzten Winter das Ziel gesetzt hatten, das Müllaufkommen in den Cafeterien zu minimieren, unverhofft vom Studentenwerk in die Tat umgesetzt. Daher: Zeit für weitere Projekte! Der Sandkasten stellt etwa gerade einen Campus-Wochenmarkt auf die Beine, bei dem auf dem Hauptcampus der TU regionale und frische Produkte gekauft werden können. Hier kann jeder Studi oder externe Besucher zwischen den Vorlesungen bequem Obst, Gemüse, Eier und Co. einkaufen, einen eigenen wiederverwendbaren Beutel mitbringen und unnötigen Verpackungsmüll reduzieren. „Wir wollen in erster Linie den Studis die Möglichkeit bieten, an einem Ort gute Lebensmittel einkaufen zu können, wo sie ohnehin einen großen Teil des Tages verbringen“, so der Initiator des Projekts, Ruben Knoll. „Wochenmärkte sind eine Top-Möglichkeit, Nahrungsmittel einzukaufen, die ohne eine Verpackung auskommen und die man einfach so in seine Tasche oder eine Brotdose stecken kann.“ Der Campus-Markt soll noch im Spätsommer dieses Jahres anlaufen.
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Doch nicht nur auf dem Uni-Gelände gilt es, innovative Konzepte umzusetzen, solche können nämlich auch fest in Universitätsstrukturen verankert werden. Ein Beispiel für konsequentes weiterdenken beim Thema Nachhaltigkeit ist die Uni Hildesheim. Seit 2015 gibt es hier ein „Green Office“, in dem studentische Hilfskräfte bezahlt werden, um Projekte zur Nachhaltigkeit im Uni-Alltag und darüber hinaus auf die Beine zu stellen. So ein Büro zu etablieren, klingt nach einem großen bürokratischen und finanziellen Aufwand, doch letztendlich wird alles aus Studienqualitätsmitteln bezahlt, für die sich jeder mit einem Anliegen bewerben kann, wie Karina Schell vom Green Office erklärt: „Für die Gründung des Büros mussten die Studis auch das Rad nicht neu erfinden, sondern einfach eine kritische Masse hinter sich vereinen und auf Genehmigung von Studienqualitätsmitteln durch die zuständige Kommission hoffen. Mit der nötigen Initiative ist es möglich.“

„Für die Gründung des Büros mussten die Studis auch das Rad nicht neu erfinden. Mit der nötigen Initiative ist es möglich.“

Karina Schell vom Green Office Hildesheim
Die Green-Office-Bewegung hat ihren Ursprung in den Niederlanden. 2010 gab es in Maastricht das erste seiner Art, mittlerweile sind an über 30 Uni-Standorten in Europa solche grünen Büros eingerichtet worden. Den Hildesheimern ist es vor allem ein Anliegen, ihren Mitstudierenden praktische Tipps zu geben, um ihren Alltag umweltverträglicher und bewusster zu gestalten. Dafür haben sie ihren „Green Guide“ herausgegeben, der regelmäßig geupdated wird. „Der Green Guide ist auch jedes Mal in der Ersti-Tüte drin. Wir versuchen, damit konkrete regionale Tipps zu geben, welche Läden und Möglichkeiten es gibt, im Alltag nachhaltiger zu leben. Da alternative Einkaufs- und Gastronomieangebote für Zugezogene oft schwer zu finden sind, machen wir immer wieder nachhaltige Stadtführungen durch Hildesheim, um die Möglichkeit zu bieten, die Gegend aus einer anderen Brille kennenzulernen.“

Das Ende vom Lied: Ohne studentische Initiative geht nix – Zustände müssen nicht in Stein gemeißelt sein. Mit Engagement für die Dinge, die einen bewegen, ist Veränderung nur noch einen Katzensprung entfernt. Sandkasten und Hochschulgruppen aller Couleur machen es vor. Also ran an die Buletten, krempelt den Campus um!

Text Simon Henke
Grafik Simon Henke, Vreni Siedler

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