Studigruppen und Hochschulverwaltungen stehen ganz im Dienste ihres Campus. Oder doch nur so halb? Studentische Projekte wie der TU-Campus-Markt oder der HBK-Veranstaltungsraum „Mogi“ werden leider bürokratisch ausgebremst. Wir haben uns nach Gründen umgehört.
CA Fotolia 212484231 DisobeyArt Fotoliacom
Wer Bock hat, sich selbst ein- und damit das Campusleben voranzubringen, der hat als Studi durchaus Möglichkeiten: So mancher erfreut sich am Engagement in der studentischen A-cappella Gruppe „SingDing“, ihren grünen Daumen können Studierende im Stadtgarten der Urbanen Botnik in die Blumenerde tunken, während wiederum andere bei der studentischen TU-Bierbrau-AG – ja, die gibt es wirklich – Gerste rühren. Will man mit seinen Geistesblitzen jedoch gleich den ganzen Campus verschönern, so können Studierende ihre Anliegen jederzeit äußern, um das Unigelände nach gemeinsamem Gusto zu frisieren. Manchmal allerdings müssen Hammer und Säge im Werkzeugkasten bleiben, denn die Umsetzung guter Ideen ist immer auch auf einen beschwerlichen Weg durch diverse Verwaltungsetagen angewiesen. Sowohl Studis der HBK als auch der TU wurden dadurch erst kürzlich bei zwei großen Projekten bürokratisch ausgebremst.
Mogi-Packung
Die HBK hat einen (gar nicht so) neuen studentisch-organisierten Veranstaltungsraum. Diese Oase der Kunstschaffenden trägt den Namen „Mogi“ und soll genutzt werden, um kulturelle Events auf die Beine zu stellen. Zwar ist die Lokalität bereits seit April in den Händen der Studierendenschaft angesiedelt, darf jedoch bis dato nicht für öffentliche Veranstaltungen genutzt werden und steht also bisher nur für die Abhaltung HBK-interner Happenings zur Verfügung.

Personalmangel ganz oben
Die Erklärung, weshalb sich am derzeitigen Status nichts tut: Eine vakante Position in der Hochschulleitung der HBK. Wer öffentliche Veranstaltungen plant, sieht sich nämlich stets mit behördlichen Auflagen konfrontiert, so gehe es laut HBK-Pressesprecher Jesco Heyl beispielsweise noch um ungeklärte Lizenzberechtigungen zum Getränkeausschank und weitere rechtliche Fragen. Über dergleichen muss allerdings der hauptberufliche Vizepräsident der Hochschule entscheiden, der unter anderem für die Finanzverwaltung zuständig ist. Diese Stelle war bis zuletzt praktisch nicht besetzt und der AStA, der die Pforten zum „Mogi“ gerne schon im Dezember geöffnet hätte, muss sich so weiter gedulden. Das Go durch den neuen Amtsträger Dr. Rainer Heuer ist bisher jedenfalls noch nicht ausgerufen.

CA Cedric Lachmann Bild c Sandkasten art

Cedric Lachmann

Sand(-kasten) im TU-Getriebe
Dass aufgrund hochschulinterner Komplikationen gewisse Projekte auf Eis liegen, ist auch an der TU Realität. Der Marketingbeauftragte des Sandkastens, Cedric Lachmann, sieht einen Teil des Problems in verwaltungstechnischen Abläufen: „Die Prozesse innerhalb einer Organisation wie der Universität benötigen manchmal eben lange Wege, die auch häufig nicht vollumfänglich transparent sind“, so Lachmann. Gleichzeitig stellte der Sandkasten mit motivierten Studis und dem Wohlwollen der Hochschulleitung jedoch immer auch erfolgreich Projekte fertig. So wurden etwa ein alter, ehemals grauer und ungenutzter Betonbrunnen in eine Sommeroase verwandelt sowie Weihnachtsmärkte, Open-Air-Kinos oder Feierabendbeats mit Livemusik auf dem Unigelände organisiert.

Campus Markt gedeckelt
Beim Projekt des Campus-Wochenmarktes (wir berichteten) allerdings taten sich nun nach einem halben Jahr Arbeit und einer erfolgreichen Unterstützer-Kampagne durch die Studierendenschaft Stolpersteine auf: „Obwohl viele Menschen an der TU – von den Studierenden über Mitarbeiter der Verwaltung bis hin zu Professoren und sogar der Präsidentin – den Markt wollten, konnte keine Genehmigung erteilt werden“, so Cedric Lachmann.

CA Ruben Knoll Bild c Sandkasten art

Ruben Knoll

„Die Motivation sinkt einfach mit der Dauer dieser Entscheidungsprozesse. Das nimmt den Studis unnötig Wind aus den Segeln.“

Gemüsefreundliche Zone
Inzwischen läuft eine neue Unterstützerkampagne für einen Markt. Denn Ruben Knoll, die treibende Kraft hinter diesem Projekt, hat seine Idee noch nicht aufgegeben: „Der Markt wird kommen“, gibt sich Knoll selbstsicher, mahnt aber auch an, dass ein konstruktiver und transparenter Austausch mit der Hochschulverwaltung bestehen muss. So müsse immer erkenntlich sein, wie die Chancen auf einen erfolgreichen Verlauf des Projektes gerade stehen: „Die Motivation sinkt einfach mit der Dauer dieser Entscheidungsprozesse“, argumentiert der Sandkasten-Macher und hat dabei natürlich die Studierenden selber im Kopf, von deren Engagement letztlich eine Umsetzung wesentlich abhängt. Wer bereits über ein halbes Jahr Zeit und Mühe investiert habe, sei am Ende einfach frustriert, wenn es dann doch noch gekippt wird: „Das nimmt den Studis unnötig Wind aus den Segeln“, meint Knoll.

Initiativen sind für alle da
Am Ende verpflichten sich die Initiativen der Studierendenschaft meist dem Wohlergehen aller. Wer was für seinen Campus tun will, tut logischerweise gleichermaßen etwas für andere Studis und wertet die Qualität des Unilebens auf – und sei es nur im Kleinen. Für Cedric Lachmann müsse daher ein allgemeines Umdenken stattfinden: „Teams, die Projekte umsetzen wollen, sind keine Bittsteller. Im Gegenteil: Sie tun dies freiwillig und ehrenamtlich, ja machen damit die Uni an sich attraktiver.“ Jeder Mensch, der innerhalb der TU an einem Projekt beteiligt ist – als Geldgeber, Aufbauhelfer, Entscheider oder als Teil des Sandkastenteams – solle sich als Teil der Campusgestaltung fühlen und wissen, dass am Ende der Campus, die Universität und alle Menschen der TU Braunschweig davon profitierten. Die Anträge der Studis sind keine Einzelkämpferaktionen. Für Lachmann und sein Team sei jede Genehmigung immer auch ein Ja für alle. „Der Sandkasten ist stets als Gemeinschaft möglichst vieler zu verstehen, die mal mehr und mal weniger für das Wohl der gesamten Universität tut.“
CA IMG 20180921 124256 c Sandkasten art
CA IMG 20180918 144229 c Sandkasten art
Passt, wackelt und hat Luft
Die Hochschulregion lebt. Mehr als 21 000 Studierende an HBK und TU, dazu knapp 8 400 Ostfalia-Studierende in Salzgitter und Wolfenbüttel sind einer sich permanent umwälzenden bürokratischen Kraft ausgesetzt. Hand in Hand, mit einem geduldigen, offenen und transparenten Verwaltungsapparat, können Dinge auf die Beine gestellt werden, die am Ende allen zugute kommen. Feuer frei also für jede Menge weitere tolle neue Projekte, die ihren Weg bis zur leibhaftigen Umsetzung hoffentlich reibungslos und in der Mehrzahl erfolgreich bewältigen mögen.

Text Simon Henke
Fotos Sandkasten, Kristina Rottig/TU Braunschweig,
DisobeyArt - Fotolia.com

User Rating: 0 / 5

instagram

subway_magazin
Da ist sie endlich, die Juni-SUBWAY! ☀️ . Dieses… https://t.co/UZRcC53ylr
subway_magazin
Am 19. Mai eröffnet die… https://t.co/0NiD5aKEtn
Follow subway_magazin on Twitter

SUBWAY Newsletter

 

Mit SUBWAY verpasst Du kein Event mehr in Braunschweig und der Region. Hol Dir unseren Newsletter!

Kontakt

SUBWAY – Eine Region, ein Magazin

#Redaktion

oeding magazin GmbH
Erzberg 45
38126 Braunschweig

Telefon: 0531-48015-134
Telefax: 0531-48015-79
E-Mail: info@subway.de