Vom Leben im Studentenwohnheim. Wir haben uns drei dieser auf den ersten Blick sehr verschiedenen Refugien genauer angesehen.
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Für viele ist der Start ins Studium auch der Start ins heißersehnte elternlose Leben. Man träumt von der ersten eigenen Wohnung und weiß auch schon bis ins noch so kleinste Detail, wie die Einrichtung aussehen soll. Dann sucht man im Internet nach Wohnungen in Braunschweig und wird mit Erschrecken feststellen: Das kann ich mir nicht leisten! Auch der riesen Ansturm auf WGs inklusive WG-Casting, mit Juroren, die Dieter Bohlen und Heidi Klum blass vor Neid werden lassen würden, sind nervenaufreibend, nicht jedermanns Sache und oftmals umsonst. Was also tun? Warum nicht ins Studentenwohnheim? Wir haben drei Studentenwohnheime besucht, um zu sehen, was Braunschweig so zu bieten hat.
Starke Gemeinschaft unscheinbar verpackt: KHG-Wohnheim „Meister Eckehart Haus“

Die vier dreistöckigen pastellfarbenen Häuser des Wohnheims fügen sich in das Gesamtbild des Stadtteils Schwarzer Berg aus Hochhäusern und Einfamilien-Häusern nahtlos ein. Schlicht, puristisch, ein wenig fade aber gepflegt. Von außen eher unauffällig, überrascht die heimelige Atmosphäre im Inneren. Das Zimmer von Bewohner Lukas überzeugt mit unerwarteter Individualität. Der Maschinenbaustudent hat sich hier sein eigenes Reich geschaffen, das so gar nicht den Erwartungen an trist monotones Wohnheimmobiliar entspricht. „Wir haben in den Zimmern immer einen Schrank und eine kleine Bad-Zeile mit Waschbecken und Spiegel. Mehr ist hier nicht drin. Man bringt seine Möbel selber mit“, berichtet der 24-Jährige. Küche, Duschen und Toiletten werden wohnheimtypisch geteilt. Dass man sich hier in die Quere kommt, passiert laut Lukas aber eher selten.
Am Leben im Sielkamp-Wohnheim gefällt Lukas, der mittlerweile fast fünf Jahre im sogenannten „Meister Eckehart Haus“ wohnt, die Gemeinschaft besonders gut: „In unserem Wohnheim sind die Etagen wie WGs, man kommt nach Hause und es ist immer jemand da, mit dem man quatschen kann. Das finde ich ziemlich cool.“ Das Gefühl der Gemeinschaft wird vor allem durch die Vielzahl von Angeboten, die das Wohnheim bietet, gestärkt. „Die Veranstaltungen und Möglichkeiten des Wohnheims schweißen zusammen. Wir organisieren hier alles selber, unter anderem eine Bar mit Kicker und Billardtisch, einen Bastelkeller, einen Grillplatz und einen Raum mit Beamer zum Filmegucken.
Einmal im Jahr veranstalten wir ein Sommerfest, eine Halloweenparty und ein 24-Stunden-Grillen. Für all das gibt es Komitees oder Zuständige. Ich würde auch jedem hier empfehlen, mal irgendein Amt zu übernehmen. Das macht echt Spaß und alle Studenten im Wohnheim profitieren enorm von der Energie, die man in seine Aufgabe steckt.“
Lukas konnte während seines Lebens im Wohnheim schon einige spannende Erfahrungen sammeln: „Ich finde es wichtig, dass man mal so wohnt und lernt, sich auch auf andere Menschen einzustellen. Man lernt Toleranz gegenüber den Fehlern anderer und gegenüber fremden Kulturen. Ich habe mit Leuten aus Kamerun, Indonesien und aus dem Kongo zusammengewohnt. Es ist extrem cool, Leute aus so fernen Ländern kennenzulernen. Letztes Jahr habe ich einen Kumpel in Indonesien besucht, mit dem ich hier früher mal zusammen-

gewohnt habe.“
Auch wenn das Studentenwohnheim am Sielkamp etwas außerhalb liegt, schwört Lukas: „Wir sind nicht so weit ab vom Schuss, wie man denkt. In zehn Minuten ist man mit dem Fahrrad in der Stadt. Außerdem sind wir mega dicht am Ölper See. Das ist echt schön! Ich würde jedem Student, der eine Wohnung sucht, empfehlen, sich hier zu bewerben.“
Der Gemeinschaftssinn, der wie ein freundlicher Hausgeist durch die Flure und Zimmer schwebt, lässt die triste Wohnheimfassade in Vergessenheit geraten. Und trotzdem stellt sich ganz heimlich die Frage: Gibt es auch äußerlich ansprechendere Wohnheime?
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Freunde, Feiern, Fachwerkcharme: Michaelishof

Ja, es gibt sie: Der Michaelishof schräg gegenüber der beliebten Braunschweiger Disco-Meile bietet mit seiner verzierten Fachwerkarchitektur und dem kopfsteingeflasterten Innenhof, auf den man durch einen Torbogen gelangt, rein optisch wohl das schönste Wohnheim Braunschweigs. Einer der 165 Studierenden hier ist Adrian. Als der 28-Jährige vor fünf Jahren in den Michaelishof zog, war schon alles da, was das genügsame Studentenherz begehrt: „Wenn du keine Prinzessin bist, dann sind die Basics da: Regal, Schreibtisch, Stuhl, Bett und ein großer Wandschrank. Mehr passt aber auch nicht rein. Man hat alle Möbelstücke, die man unbedingt braucht.“
Trotzdem gibt es laut Adrian etwas wichtiges, das man zum Einzug mitbringen sollte: „Ohropax! Die Wände sind jetzt nicht die dicksten, wenn da jemand loslegt, dann bekommst du es auch schon mal mit. Wenn dir Ruhe total wichtig ist, dann kannst du nicht hierher ziehen. Bei so vielen Leuten auf engem Raum weiß man ja vorher, dass es auch mal lauter werden wird.“ Die Frage drängt sich auf, wie es denn allgemein um die Privatsphäre im Wohnheim steht oder ob man jede Sekunde mit einem betrunkenen Mitbewohner rechnen muss, der reingestolpert kommt. Adrian kann hier beruhigen: „Wenn du deine Ruhe haben willst, gehst du auf dein Zimmer, haust dich aufs Bett und fertig. Da kommt dich keiner stören. Wenn du quatschen willst, dann gehst du in die Küche und irgendjemand kommt nach ein paar Minuten immer reinspaziert. Das finde ich cool.“
Die Gemeinschaftsküche, die sich Adrian mit zwölf Mitbewohnern teilt, bietet neben dem Unterhaltungs-Potential eine ungewöhnliche Kühlschranksituation: „Im Kühlschrank gibt es mittlerweile abschließbare Fächer, dadurch ist der Platz etwas begrenzter. Bevor die Küche neu gemacht wurde, hatten wir normale Kühlschränke. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Bier bekommst du rein. Das ist wichtig“, lacht der TU-Student.
Bier spielt für Adrian auch in einem anderen Zusammenhang eine wichtige Rolle. Zusammen mit anderen Bewohnern und Studenten betreibt er die Wohnheimkneipe im Michaelishof. „Wir sind eine Kneipe von Studenten für Studenten mit günstigen Preisen. Bei uns zahlt man keine fünf Euro für ein Bier. Du kannst hier kickern oder Bier-Pong spielen. Wir versuchen immer etwas anderes zu bieten, seien es Bier und Craft-Beersorten oder besondere Events.“
Eine dieser Veranstaltungen, die jeder Student mal mitgenommen haben muss, ist jährliche das Michaelishoffest. Adrian schwärmt: „Kurz vor meinem Einzug war ich auf meinem ersten Hoffest. Der ganze Hof war voller Lichter. Das war der Hammer! Da wusste ich, dass ich das richtige Wohnheim erwischt habe.“
Wie es sich für einen Studi-Kneipier gehört, richtet er seine letzten Worte an die gemütliche Studenten-Schenke im Erdgeschoss: „Wenn du Bock hast zu kommunizieren, ist das hier der ideale Punkt. Und die Lage ist perfekt: Ein Steinwurf und du bist auf der Meile und kannst feiern gehen. Hier kann man immer eine geile Zeit haben.“
Viele amüsante Storys haben sich schon in der ein oder anderen feuchtfröhlichen Nacht im Wohnheim oder der Kneipe abgespielt. Wer eine besonders witzige hören will, sollte Adrian in der Kneipe, die jeden Donnerstag ab 21 Uhr geöffnet hat, einfach mal nach dem sagenumwobenen „Speed-Ei“ fragen.
Der Michaelishof bietet neben einem privaten Rückzugsort viel Unterhaltung, Spaß und Party. Rein äußerlich widerspricht er jeglichem Hundertfenstrigen-Betonklotz-Klischee eines Studentenwohnheims. Aber auch das muss doch zu finden sein.
Wohnen, leben und Schuntillen-Partys: Studentenwohnheim an der Schunter

Die Suche führt in Richtung Schunter. Imposant ragen hier drei achtstöckige graue Hochhäuser in den Himmel. Umsäumt von Grünflächen und unzähligen Bäumen liegt zwischen ihnen ein beschaulicher See. Plattenbauromantik wie aus dem Bilderbuch. Hier finden 450 Studierende Platz zum Wohnen. Bei dieser Menge liegt es fast schon auf der Hand, dass der Wohnraum begrenzt ist.
Hendrik, der hier seit drei Jahren lebt, klärt über die Platzfrage auf: „Die Zimmermöglichkeiten variieren sehr. In Haus 3 gibt es 22 Zimmer pro Etage. Man teilt sich eine Küche und ein Gemeinschaftsbad mit zwei Duschen und zwei Toiletten. Da lernt man direkt alle kennen. Es gibt dort eine sehr starke Gemeinschaft. Die braucht man allerdings auch, um da zu wohnen. Meistens sind dort alle ziemlich cool drauf und schmeißen auch mal eine Etagen-Party.“ Für Klaustrophobiker geht es aber auch etwas separierter, klärt der 21-Jährige auf: „Im Haus 2 gibt es nur 17 Zimmer pro Etage, die auch etwas größer sind. Die haben alle ein eigenes Bad. Gemeinschaftsküchen gibt es zwei. Im Haus 1 hat man dann Küche und Bad in seinem Zimmer mit drin. Das ist dann aber auch mit knapp 350 Euro warm am teuersten.“
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Unter Studierenden ist das Schunter-Wohnheim wohl eines der bekanntesten. Das liegt vor allem an der Schuntille. Maschinenbau-Student Hendrik berichtet begeistert von der Studentenkneipe: „Wir haben vier verschiedene Zapfhähne und meistens auch vier verschiedene Biere vom Fass. Das zeichnet uns aus. Wir versuchen aber auch immer neue Cocktails zu mixen und unsere Karte zu erweitern.“ Und kaum ein Studierender war noch nicht auf einer der berühmten Partys, die von der Schuntille als Verein organisiert werden. „Dreimal im Jahr machen wir große Feste. Das Maifest, die Halloween-Party und das Musikum.
Das Musikum ist ein Musikfest mit mehreren Bands drinnen und draußen. Es geht über zwei Tage und ist ziemlich groß und gut besucht.“ Als nächstes wartet der schaurige Schuntember darauf, gefeiert zu werden. Hendrik, der in der Schuntille Kassenwart ist, berichtet schon voller Feierlaune: „Die Halloweenparty ist ziemlich gut. Dieses Jahr ist sie wieder am 30. Oktober. Das ist ein Dienstag, aber am Mittwoch ist ja seit neuestem frei. Das ist super klasse, weil viele von den Erstis zu der Zeit am Wochenende noch nach Hause fahren. Am Wochenende wären sie also nicht da, aber in der Woche kommen sie dann vorbei. Das ist eine super Sache! Der Clubraum wird auch wieder gut gefüllt sein.“
Die Kombi aus zusammenwohnen und zusammen feiern scheint ein Garant für eine starke Wohnheimgemeinschaft zu sein. Und hat man dieses Gefühl im Wohnheim an der Schunter selbst erlebt, gilt laut Hendrik im positiven Sinne: „Wenn man einmal in der Schunter ist, dann kommt man da nicht mehr so leicht raus!“

So unterschiedlich die drei Wohnheime auf den ersten Blick auch wirken, sie alle überzeugen durch eine tolerante Gemeinschaft und ein entspanntes Zusammenleben zwischen Lernstress und Feierlaune. Leben im Wohnheim als Alternative zur Ein-Zimmer-Dachgeschosswohnung im Östlichen oder potentieller Horror-WG? Wir sagen: Aber so was von!

Text Jasmine Baumgart
Fotos finalstock - Fotolia.com, Jasmine Baumgart, KHG Sielkamp

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