Mit einer Studentenorganisation ins Ausland – oder anderen dazu verhelfen: Um letzteres kümmert sich die internationale Organisation AIESEC.
CA AIESEC von links Fabian Sophie Rike Melanie Tom Copyright by Kristin Schaper art
In über 120 Ländern der Welt gibt es lokale AIESEC-Komitees, die vor Ort gemeinnützige Projekte auf die Beine stellen, an denen sich junge Menschen von überall beteiligen können. Dazu müssen sie sich lediglich an ihr lokales Komitee wenden, welches Projektplätze vermittelt. Das macht AIESEC seit 70 Jahren. Gründe für das lange Bestehen lägen ebenso in der „Toleranz, Akzeptanz und der familiären Atmosphäre“, erzählt Sophie (22) gerührt im SUBWAY-Gruppeninterview. Auch Tom (22), Fabian (23), Melanie (24) und Rike (25) sind Mitglieder des Braunschweiger AIESEC-Komitees. Campus-Korrespondentin Kristin Schaper hat die fünf getroffen.
Weshalb mit AIESEC ins Ausland gehen, statt mit einer anderen Organisation?
Rike Es ist die günstigste Alternative. Außerdem ist es von jungen Leuten für junge Leute. Wir verstehen die Lebensumstände der Studierenden. Wobei, Studierende möchte ich ungern sagen, weil es einfach für junge Leute ist. Es ist nicht ans Studium gebunden. Tom, was sagst du nach drei Jahren Mitgliedschaft?
Tom Ich bin tatsächlich am längsten aktiv im Lokalkomitee und war noch nicht mit AIESEC weg (lacht). Wir legen viel Wert auf Kommunikation zwischen uns, der Person, die ins Ausland will, und dem Partnerkomitee, um sicherzustellen, dass alles funktioniert.
Was für Projekte bietet AIESEC?
Fabian Eines ist Global Volunteer. Damit beschäftigen wir uns in Braunschweig. Das sind sechs- bis achtwöchige Freiwilligenprojekte im Ausland. Hauptsächlich in Richtung Education. Dabei werden zum Beispiel Kinder auf Englisch unterrichtet. Umweltbildung und -Schutz spielen aber auch eine Rolle. Die Gesamtorganisation bietet noch zwei andere Produkte: Das Global Talent Programm, wobei professionelle, bezahlte Praktika zum Beispiel bei DHL in Deutschland vermittelt werden und Global Entrepreneur, da arbeitet man in Start-Ups auf Freiwilligenbasis. Ich selbst war mit Global Volunteer in Malaysia und hab‘ da was mit erneuerbaren Energien gemacht, so bin ich zu AIESEC gekommen …

Und wie seid ihr anderen dazu gekommen?
Rike Ich war mit Global Volunteer in Ägypten. Ich wollte mal raus aus Braunschweig, mir war die Decke auf den Kopf gefallen. Diese Erfahrung wollte ich auch anderen ermöglichen. Das war die erste Motivation für den Einstieg: Weitergeben, was ich erlebt habe.
Melanie Ich kam durch eine Werbeaktion drauf und weil ich sowieso gerne reise. Dann habe ich mein Praktikum für die Uni, das ich sonst in Deutschland gemacht hätte, in Peru absolviert. Als ich zurückkam, war ich von dem Konzept begeistert.
Sophie Ihr seid irgendwie alle über die Projekte zu AIESEC gekommen. Außer Tom und ich. Wir waren zuerst da – und dann das Projekt (lacht).Ich habe damals Tom in einer meiner Vorlesungen gehört, als sie Global Volunteer vorgestellt haben. Ich fand‘s richtig cool und bin zum Infoabend gegangen.
Tom Nach meinem Abitur war ich für acht Monate in Neuseeland. Deshalb wollte ich weiter fördern, dass junge Menschen ins Ausland gehen und sich weiterentwickeln.
Wie viel Geld muss für Global Volunteer eingeplant werden?
Fabian Es gibt die Vermittlungsgebühr, die man an AIESEC zahlt.

Das waren 390 Euro, oder?
Fabian Ja, aber es gibt jetzt unser Special Pricing: Bis zum 15. November sind es nur 290 Euro …
Rike … weil AIESEC 70 Jahre alt geworden ist. Und um einen Sense of Urgency zu kreieren nach dem Motto: „Hey Leute, meldet euch schnell zu Beginn des Semesters, bevor alle guten Plätze vergeben sind.“ Im Gegensatz zu anderen Ländern auf der Welt startet das Semester in Deutschland sehr spät.
Fabian Jedenfalls muss man den Flug selber tragen. Aber im Ausland zahlt man im Endeffekt immer weniger als in Deutschland, weil man die Unterkunft gestellt bekommt sowie meistens eine Mahlzeit pro Tag.
C Agypten 2 Rike Copyright by Rike Hoffmann art


Welche Ziele sind besonders begehrt?

Tom Südamerika. Darüber hinaus Ghana.

Wie lange dauert es von der Bewerbung bis zum Kofferpacken?
Sophie Bei mir hat es eine Woche gedauert. Ich hab mich beworben, 24 Stunden später hat mich direkt wer kontaktiert.
Rike Das kann sehr schnell gehen. Wir werben manchmal mit dem Slogan: „In 20 Tagen ins Ausland“. Aber je früher du dich bewirbst, desto besser. Nicht, dass du nur die „Restplätze“ abbekommst. Und so bleibt mehr Zeit für die Planung und Flüge sind günstiger.

Welche Aufgaben haben eure Mitglieder?
Fabian Wir haben mehrere Teams. Einmal das Outgoing Global Volunteer Team. Das betreut die Studierenden, die Interesse haben, ins Ausland zu gehen, und baut Partnerschaften zu ausländischen AIESEC-Komitees auf. Dann gibt es noch das Marketing. Daran beteiligt sich das ganze Team. Und wir haben ein Incoming Global Volunteer Team …
Melanie … das ist noch neu in Braunschweig. Wir organisieren ein Projekt für Januar. Zu diesem können unsere Partnerkomitees aus dem Ausland Leute nach Deutschland schicken.
Rike Und wir haben noch die Personalabteilung und die Finanzer.

„Lebenslauf-kosmetik ist das falsche Wort. AIESEC ist ein Upgrade Für den Lebenslauf“!

Kommt man über AIESEC auch mit Unternehmen in Kontakt?
Fabian Wir hatten letztens erst eine nationale Konferenz. Da gab es einen Tag, der den Partnern von AIESEC vorbehalten war, um Workshops anzubieten und mit den AIESECERN in Kontakt zu treten. Große Unternehmen wie Volkswagen, Vodafone …
Rike …oder auch Lidl und MLP sind unsere Partner.

Wie sehen die Workshops aus?
Fabian Sie trainieren Soft Skills. Ich war auf einem Workshop, der hatte das Thema „Agile Methoden“, wie man im Projektmanagement in Teams zusammenarbeitet, auch mal ein bisschen out-of-the-box denkt. Es gibt unterschiedliche Trainings zum Beispiel auch zum Zeitmanagement …
Rike … oder „Emotional Intelligence“.
Ist die Teilnahme bei AIESEC Lebenslaufkosmetik?
Tom (lacht) „Lebenslaufkosmetik“ ist vielleicht das falsche Wort. Ich würde eher sagen, dass es ein Upgrade für den Lebenslauf ist. Ich habe alle meine Aktivitäten, die ich in der Zeit bei AIESEC ausgeführt habe, in meinen Lebenslauf eingetragen. Das ist vorteilhaft, wenn man zuvor sonst wenig praktische Erfahrung gesammelt hat. Auch im Vorstellungsgespräch hilft es: Da kommen oft Fragen, die man auf Anhieb nicht gut beantworten kann, aber ich kann nun zu vielen der Fragen konkrete Beispiele nennen.
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Schafft ihr euer Studium in der Regelstudienzeit?
(allgemeines Husten)
Fabian Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen Studierenden getroffen habe, der sein Studium in der Regelstudienzeit geschafft hat (lacht).
Sophie Ich bin eigentlich total der Lunger-Louie (lacht). Alle sagen immer: „Wenn ich jetzt noch was anderes mache, dann schaffe ich mein Studium nicht.“ Was ich sehr überraschend finde, ist dass es bei mir besser klappt als vorher. Durch AIESEC habe ich eine Grundstruktur und Motivation erhalten.
Rike Ich schreibe übrigens auch meine Masterarbeit über AIESEC. Das kann man gut verbinden.
Fabian Ja, im April gehe ich nach Ghana, um da in drei Monaten meine Studienarbeit zu schreiben, im Bereich Abfallmanagement und Recycling.
Geht es bei euch denn auch mal locker zu?
Fabian Ja, manchmal müssen wir uns selbst schon ein bisschen …
Tom zügeln …
Fabian … um auch die Seriosität zu bewahren. Aber jeder, der schon mal auf einer Konferenz war, der weiß, dass da auch am Abend immer viel Party gemacht wird.
Tom Ja, jede Funktion hat hren eigenen Drink und auch ihr eigenes Trinkspiel. Die Finanzer beispielsweise spielen Mum Pong, also nicht Beer Pong.
Rike Weil sie das Geld haben (lacht).
Gibt es noch weitere Traditionen?
Rike Wenn wir den neuen lokalen Vorstand wählen, bekommt dieser einen Wassereimer über den Kopf gekippt. Damals, im Januar, waren anschließend alle erkältet.
Tom Auch noch eine schöne Sache sind die „Roll Calls“. Normalerweise sagt man: „Ja, hier anwesend“, wenn man auf einer Sitzung aufgerufen wird. Auf internationalen Konferenzen bei AIESEC ist es aber anders: Da fangen die Teams an zu tanzen. Das kann man sich wie einen Flashmob vorstellen. Auf einmal tanzen 200 Leute! Daneben hat jedes Komitee in Deutschland einen eigenen Shout. Den ruft man, um seine Komiteezugehörigkeit preiszugeben.

Und wie lautet euer Shout?
Tom „Lasst die Katze aus dem Sack – Braunschweig uns‘re Löwenstadt!“

Interview Kristin Schaper
Fotos Rike Hoffmann, Kristin Schaper, adzicnatasa, undrey - Fotolia.com

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