Sonnensystem

4. April | 2 Years of Making –
Die Jubiläumssause | Protohaus (BS)

Eine modulare, transportable und solarbetriebene Musikanlage: Das „Sonnensystem“ – super für subkulturelle Open Airs und selbstgebaut im Protohaus. Wie geht das überhaupt und kann man damit auch nachts feiern? Wir haben bei Projektleiter Kevin Kurmann nachgefragt.
C Sonne Umgebungsrendering Park Art
Ein netzunabhängiges Soundsystem, das dazu noch auf einen Elektro-Lastenfahrradanhänger passt, ist perfekt für Partys unter freiem Himmel und der Traum energiebewusster Veranstalter. Ob Freiluftkino, Lesung, Konzert oder DJ-Gig – das „Sonnensystem“, wie die Erfinder ihre Anlage liebevoll nennen, soll bei Open-Air-Events aller Art den Ton angeben und zugleich nachhaltige Energien greifbar machen. „Wenn man non-profit Veranstaltungen macht, ist das Geld logischerweise immer knapp. Wir waren es leid, jedes Mal Anlagen teuer leihen zu müssen, für die man auch noch das Transportauto besorgen muss. Es war daher schon länger klar, dass ein vernünftiges Komplettsystem hermuss“, erklärt mir Kevin Kurmann vom Campusgestalter-Team „Sandkasten“ der TU-Braunschweig. „Es soll kleinere und spontane Subkultur-Events ermöglichen, dabei gut klingen und gemütlich zu Fuß oder mit dem Rad transportierbar sein. Wenn es zudem noch solarbetrieben ist, umso besser.“
Here Comes the Sun
Professionelle solarbetriebene Soundanlagen wiegen oft mehrere hundert Kilo. „Wir haben schon mit anderen selbstgebauten Musikanlagen Veranstaltungen in den Grünanlagen Braunschweigs gemacht und am Ende immer geflucht, dass wir das Equipment mitten in der Nacht in unhandlichen Kisten durch den Park zum Auto schleppen mussten. Wir haben nun ein System, das im praktischen Eurokistenmaß auf einen ‚Carla Cargo‘-Lastenanhänger passt, der im Gegensatz zum PKW auch in Parks fahren darf“, berichtet Kevin. Das „Sonnensystem“ fertigt er mit seinem Team im Rahmen der „mehr
Black Hole Sun
Viele Menschen haben wenig Gespür für ihren Ressourcen-Verbrauch, meint Kevin. „Gelüftet wird bei laufender Heizung und der Fernseher bleibt über Nacht an. Wenn man bei einem Konzert erklären kann, dass das gerade laufende Soundsystem 20 Prozent der Energie des Wasserkochers daheim verbraucht, kann man den Menschen in lockerer Umgebung etwas über Nachhaltigkeit erzählen. Das Gespräch und die Botschaft sind uns wichtig, da wir eben nur einen Planeten haben – und auf die Marsmission von Elon Musk würde ich nicht hoffen.“
Ihre Solarmodule haben zusammen 400 Watt Peak. Das reicht, um die Soundanlage bei Sonnenschein autark laufenzulassen. „Sollte die Sonne mal schlechte Laune haben oder die Nacht zum Tag werden, haben wir noch Batteriemodule mit jeweils 200 Amperestunden dabei, mit denen das System noch etwa acht Stunden weiterlaufen kann.“
Solarenergie sei trotz der geringen Effizienz von 18 Prozent noch die beste Wahl, erklärt er: „Ein Windrad oder ein Wasserkraftwerk wären zu groß, zu schwer und für unseren Zweck nicht so gut skalierbar wie Photovoltaikmodule, die je nach Bedarf einfach aufgestockt werden. Die Idee, eine Kompost-Toilette aufzustellen und die Anlage mit deren Nutzung zu betreiben, erscheint zwar charmant, leider ist die technische Umsetzung aber nicht ohne weiteres möglich.“
Die ganze Anlage läuft auf zwölf Volt. Durch die effizienten Lautsprecher und digitalen Endstufen mit hohem Wirkungsgrad gebe es wenig Leistungsverluste: „Vieles, was in günstigen Systemen in Abwärme umgewandelt wird, soll bei uns zu Sound werden, sodass wir aus 200 Watt circa 115 Dezibel im Bereich 45 bis 19 000 Hertz in einem Meter vor den Lautsprechern erzeugen können. Das reicht für Veranstaltungen bis zu 200 Personen bei gutem Tanzpegel. Mit zusätzlichen Photovoltaik-Modulen und Subwoofern ist beim Schallpegel und der Laufzeit sogar noch Luft nach oben.“

Wir verbauen Hochstromstecker, die eigentlich zum Aufladen von Lastenameisen oder Golfcaddys gedacht sind, und Kabel mit einem Querschnitt von einem halben Quadratzentimeter. Im Notfall kann man damit auch Autos abschleppen.

CA sonne teamfoto
Sun is shining the Music is sweet
In dem Projekt des Entwickler-Teams aus Technikern, Ingenieuren und anderen Elektronik-Erfahrenen stecken einige hundert Stunden Planungsarbeit, um das „Sonnensystem“ gegen alle Eventualitäten abzusichern: Sämtliche Module sind mit schlag- und wasserbeständigem Strukturlack gestrichen, die Stromkabel extrem dick und die Stecker belastbar. „Wir verbauen Hochstromstecker, die eigentlich zum Aufladen von Lastenameisen oder Golfcaddys gedacht sind, und Kabel mit einem Querschnitt von einem halben Quadratzentimeter. Im Notfall kann man damit auch Autos abschleppen“, lacht Kevin.
Das Projekt ist non-profit und open-source: Kultur-Veranstalter können die Anlage später gegen einen kleinen Unkostenbeitrag im Protohaus ausleihen, aber die vollständigen Baupläne, Komponentenlisten und Kostenkalkulationen werden auch online veröffentlicht, sodass sich jeder mit etwas handwerklichem Geschick und dem Protohaus-Equipment eine eigene basteln kann. „Ob für den Spaß auch 16 000 Euro für Material in der Portokasse liegen, ist eine andere Frage, aber wir fänden es toll, wenn Menschen unser System für solarbetriebene Subkultur nachbauen oder weiterentwickeln. Später ist auch ein ‚Sonnensystem light‘ geplant, das weniger als 800 Euro inklusive Fahrradanhänger kosten soll. Natürlich mit kleinen Abstrichen, aber für eine gemütliche Party im Park mit 50 Leuten reicht es!“
Ain‘t no Sunshine when they‘re gone
Noch ein passendes Lichtsystem zu entwickeln, wäre ein Wunsch der Erfinder-Gruppe, verrät mir Kevin. Wenn sie ein unbegrenztes Budget zur Verfügung hätten, würden sie einen Verein gründen und eine schöne Fläche im Grünen für kulturelle Veranstaltungen kaufen. Einen Ort, an dem keine Anwohner gestört werden, es aber dennoch genug Freiheit und rechtliche Sicherheit gibt. Erfahrung darin haben sie: „Sei es spontan im Park, auf dem Gelände der Universität oder auch mal in einem selbstverwalteten Studentenwohnheim, von Mittagsbeats über Feierabendbeats bis hin zum Organic Beats Festival, das im vergangenen Jahr auch schon solarbetrieben lief, haben wir vieles probiert und es hat immer gut bis fantastisch funktioniert. Auch mit Beschädigungen oder Müll hatten wir nie Probleme. Wir räumen einfach zusammen mit unseren Gästen auf, dann ist nach 15 Minuten alles blitzblank und meistens sogar sauberer als vorher. Nach einer Vatertags-Veranstaltung haben wir zum Beispiel mal die Müllabfuhr im Park getroffen. Die waren ganz baff, wie ungewöhnlich sauber der Park für den Tag war.“

Weitere Infos zum „Sonnensystem“ gibt es online unter sonnensystem.info.

Interview Evelyn Waldt
Fotos Kevin Kurmann, Sandkasten

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