Gastronom Oliver Strauß im Interview | Was wäre das Braunschweiger Nachtleben ohne die Clubs und Szenebars? Deutlich langweiliger. Wir haben uns mit Oliver Strauß, einem der beiden Geschäftsführer der Strauß und Lemke GmbH, zu einem Gespräch über Musik, SUBWAY und das Älterwerden getroffen.

Oliver, was verbindet dich mit der SUBWAY?
Die SUBWAY hat uns ja Ewigkeiten in der Szene begleitet. In der frühen Jugend, wo ich selbst noch weggegangen bin, natürlich aus anderen Gründen als heute, konnte man sich gut in der SUBWAY informieren und es war das Stadtmagazin, welches am bekanntesten war. Wir haben ja auch viel mit der SUBWAY zusammen gemacht und in Sachen Werbung war es lange der Ansprechpartner Nummer Eins. Das hat sich natürlich gewandelt, die Leute sind jetzt internetaffin. Ich habe allerdings gerne etwas zum Blättern in der Hand, etwa wenn man auf jemanden wartet und im Café sitzt, deswegen finde ich, dass es nach wie vor noch eine ganz große Daseinsberechtigung hat. Die neuen Medien sind für schnelle Informationen toll, aber ein Magazin ist letztendlich schon etwas anderes. Mal davon abgesehen, lese ich nicht gerne auf dem Bildschirm.


Wir haben in unserem Archiv gekramt und Fotos von einem ganz wilden Shooting für die Backstage, unserem ehemaligen Schwestermagazin, gefunden. Erinnerst du dich?
Das war die Eröffnung vom Fieber, oder? Das war 2005, da habe ich mich quasi mit meinem Partner zusammen selbstständig gemacht. Wir haben zwar beide schon viel, viel früher angefangen, aber in diesem Jahr haben wir uns zusammengetan. Und ich weiß noch, dass es damals das am schnellsten vergriffene Magazin war. Es war ein guter Titel. Wir beide waren da noch Anfang 30 und für viel Schwachsinn bereit. Es war eigentlich eine Hommage daran, wie sich die Leute den Gastronomen vorstellen – mit wilden Partys, Champagner und Zigarre. Wir waren selbst nie so, aber wir waren uns nicht zu schade für ein gutes Cover.


Wie hat sich das Nachtleben in Braunschweig in den letzten Jahren verändert?
Es gibt einen stetigen Wandel in ganz Deutschland. Konzepte, Zielgruppen und Musikrichtungen ändern sich und somit auch das Nachtleben. Als ich in der wilden Weggehphase war, gab es damals das Atlantis, das Joker und natürlich auch ein paar andere Clubs. Ich war aber immer der Clubaffinere. Das Joker war nie richtig meins, weil es schon immer ein dreckiger Laden war. Es hat auch seine Daseinsberechtigung, keine Frage. Es gab immer den Unterschied zwischen Personen, die gerne in einen Club gehen und denjenigen, die gerne eine Großraumdisco besuchen. Im Club ist man innerhalb einer Zielgruppe mehr unter sich als in einem großen Laden. Das war der Wandel der letzten 30 Jahre.
Es gibt nur noch ganz wenige Großraumdiskotheken, die wirklich funktionieren. Das hat sich in Deutschland stark reduziert. Selbst die bekanntesten, ältesten wie die Königsburg in Krefeld …Mit dem Joker gibt es jetzt noch einmal eine Wiederbelebung. Ich weiß aber nicht, ob das in der Art und Weise auf Dauer funktionieren kann. Die Kostenstrukturen, wie beispielsweise die Erhöhung der GEMA, haben sich ja geändert und man hat eben nicht immer nur gute Abende und einen schlechten Abend merkt man in einem großen Laden deutlicher als in einem kleinen.

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Wir haben in alten Ausgaben Artikel zu den Problemen in der Partymeile gefunden: Es ging um Anwohner-Beschwerden und fehlenden Platz für Partykultur. Was sind die aktuellen Probleme?
Ach, ich weiß nicht. Jugendliche, die was trinken, sind schon immer laut gewesen. Früher haben wir uns über unsere Eltern aufgeregt, wenn die gesagt haben „Oh Gott, was hört ihr denn für Bum-Bum-Musik?“ und sie haben es gar nicht verstanden, weil ihre Musik einfach eine andere war. Wenn man selber älter wird, denkt man, „Zu was für einer scheiß Musik tanzen denn die Jugendlichen heutzutage?“ Wahrscheinlich lachen die sich dann irgendwann über uns tot. Dabei war man doch eigentlich genauso. Man war mal selbst betrunken und hat irgendeinen Scheiß gemacht oder ist mal aus einem Laden herausgeflogen. Es war im Grunde alles dasselbe.
Die Wertschätzung ist vielleicht heute nur nicht mehr so da, die Jungen machen eher mal etwas kaputt. Das gab es früher nicht. Das ist eine Anstandsgeschichte, die, wie ich finde, verloren gegangen ist. Das liegt eventuell an der Erziehung. Früher hat man es noch die zwei Meter zur Theke geschafft, um sein Glas dort abzustellen, heute schmeißt man es einfach auf den Boden. Das finde ich blöd, denn die Mädels tragen oft offene hohe Schuhe und schneiden sich dann vielleicht daran.
Aber auch die Ziele haben sich verändert. Früher war man unterwegs, um ein Mädel kennenzulernen, heute macht man das auf Tinder oder so. Vielleicht liegt das aber auch alles an der Mentalität. Die Aggressivität ist heute schlimmer als früher. Damals gab es vielleicht mal einen auf die Nase, heute wird einem die Flasche durchs Gesicht gezogen. Die Hemmschwelle ist eine andere, was aber auch an den verschiedenen Kulturen liegt. Ich möchte es jetzt nicht mit dem Rotlichtmilieu vergleichen, aber bei den Zuhältern von früher gab es vielleicht mal einen drauf, heute schießt man sich eben ab. Das ist ein harter Quervergleich, aber so muss man es sehen. Das schürt eben auch bei der Bevölkerung Unmut und dann kommt es zu einem Wahlergebnis, dass bestimmte Parteien einen solchen Zuspruch finden, wo man sich fragt, „Wie das sein kann?“.


Bist du noch als DJ unterwegs?
Es ist wirklich selten geworden. Früher habe ich ja wirklich fast jedes Wochenende bei uns in den Läden aufgelegt. Ich mache es ja auch schon sehr, sehr lange, aber jetzt nur noch selten. Für Freunde lege ich noch mal auf.

Ich habe hier mehr Lebensqualität als in einer Großstadt. Das Nachtleben wird hier immer unterschätzt, aber an Clubs hat die Stadt wesentlich mehr als beispielsweise Hannover zu bieten und das sage nicht nur ich, sondern auch viele DJs und Leute aus Hannover.

Gibt es für dich Dancefloor-Dauerbrenner?
Wenn ich auflege, dann kommt irgendwann der alte deutsche Hip-Hop raus. Ob es die Beginner sind oder sonst irgendwas, es ist immer eine nette Sache, weil es die Musik meiner Jugend ist. Ich habe zunächst angefangen, Funk and Soul aufzulegen. Dann bin ich zu House gekommen, darüber auch zum Techno. House und Techno sind irgendwann verschmolzen. Ich war lange nur auf dem elektronischen Trip, wobei ich die alten Sachen immer wieder gerne gehört habe. Im Cave Noire habe ich dann bunt aufgelegt. Es sind zu 80 oder 90 Prozent sogar alte Sachen dabei gewesen.
Ich würde auch mal gern einen Abend mit der originalen elektronischen Musik, wie sie beispielsweise noch auf Ibiza gespielt wird, machen. Ich mag die Musik nicht, die bei uns regulär in den Clubs läuft. Das ist einfach nicht mehr so meins, es fehlen mir ein bisschen Herz und Seele. Aber damit muss ich mich abfinden. Ich kann auch nicht im Fieber einfach meine Musik spielen, weil die Gäste mich etwas doof angucken würden. Wenn ich in einem kleinen Laden auflege, dann sind die Gäste vielleicht 25 Jahre und aufwärts und nicht mehr 18 oder 19, dann kann man auch ruhig mal 80er- und 90er-Musik spielen.

Ihr habt mit dem Flamingo Rosso, dem Monkey Rosé und dem Fuchs Blau das Portfolio der Strauß und Lemke GmbH ausgeweitet. Warum?
Ach, das ist ein kleiner Teil des Erwachsenwerdens. Wir wollten das Portfolio erweitern und ich hatte schon immer Lust auf diese Restaurantgeschichte, weil ich selber gerne gut esse, ich kann mich da ausleben. Außerdem wollten wir auch unsere alten Freunde und Kunden, die aus der Partyszene herausgewachsen sind, ein Stück weit begleiten. Wir sind so in dieser Gastro-Schiene drin, deswegen bleibt man da und ändert vielleicht nur ein paar Konzepte. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass wir mit dem Thema „Disco“ aufhören wollen, denn das machen wir seit Ewigkeiten und das lieben wir ja auch.


Und neuerdings gehört auch das Varieté im Kleinen Haus des Staatstheaters dazu …
Genau, das Varieté ist am 28. Oktober mit einem Tapas-Konzept gestartet. 

Was magst du an Braunschweig?
Ich liebe Braunschweig! Ich bin hier geboren, es ist eine kleine übersichtliche Stadt, die aber trotzdem alles zu bieten hat. Ich mag die Altstadt mit ihren vielen verschiedenen Facetten. Wenn ich in Berlin oder in Hamburg wohnen würde, würde ich mir einen Strick nehmen, alleine, wenn ich im Verkehr stehen müsste. Ich mag Berlin, ich mag Hamburg und man ist nur 200 Kilometer von beiden Städten entfernt, das heißt, man ist mal schnell woanders. Ich habe hier mehr Lebensqualität als in einer Großstadt. Das Nachtleben wird hier immer unterschätzt, aber an Clubs hat die Stadt wesentlich mehr als beispielsweise Hannover zu bieten und das sage nicht nur ich, sondern auch viele DJs und Leute aus Hannover.

Wie hast du deinen eigenen 30. Geburtstag gefeiert?
(überlegt) Achja …Ich habe damals im Schwanensee unter meinem alten DJ-Pseudonym DJ Xtreme meine DJ-Xtreme-Birthday-Party gefeiert – nach dem Fegen. Meine Old-School-Freunde haben das mit mir noch gemacht …
Strauss c katharina Holzberger art

STECKBRIEF

Name Oliver Strauß

Jahrgang 1973

Bester Ort zum Entspannen zuhause

Rot- oder Weißwein  Rotwein

In 30 Jahren ... Ich hoffe, dass ich dann einfach noch gesund bin, das ist heutzutage das Wichtigste, und dass ich mich in dem Alter von meiner Arbeit gebührend erholen kann. Aber die Gesundheit ist das A und O.

Interview Kathleen Kalle
Fotos Katharina Holzberger

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