Interview mit Dirk Wink-Hartmann 
Erst Musiker mit der eigenen Band Royal M Parade, dann Gründer einer erfolgreichen Konzertagentur, jetzt freiberuflicher Maler mit Ausstellungen in der ganzen Region. Dirk Wink-Hartmann hat viele Talente. Im September 1993 verschönerte er mit den Royals unseren SUBWAY-Titel. Im Interview erinnert er sich zurück an das anstrengende Tourleben, die Zeit im Studio und verrät uns etwas über seine aktuellen Kunst-Projekte.

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Hallo Dirk, was für ein Gefühl war es, sich selbst auf dem SUBWAY-Cover zu sehen?
Wir haben das Magazin ja monatlich gelesen und mit einem Mal selbst auf dem Cover zu sein, das war schon toll. In dieser Zeit war eine richtige Aufbruchsstimmung und viele neue Sachen haben sich ergeben.

Kannst du dich an euer Interview ’93 in der SUBWAY erinnern? Angeblich fand das bei Sekt und Whisky statt …
Darüber haben wir Stillschweigen vereinbart ...

Wie habt ihr Braunschweig Ende der 80er bis Anfang der 90er wahrgenommen?
Wir kamen aus dem kleinen Örtchen Knesebeck. Da war Braunschweig für uns natürlich am Anfang ziemlich aufregend. Es gab eine Menge lokaler Bands. Bei den Konzerten war die Muckerpolizei immer gut vertreten. Mein Freund Micha (Michael Schacke; Anm. d. Red.) hat im FBZ seinen Zivildienst gemacht. Dadurch habe ich dort bei Konzerten arbeiten können, viele Erfahrungen gesammelt und Freunde kennengelernt.

Wie kam es zur Gründung eurer Band Royal M Parade und was bedeutet der Name?
Wir hatten mit zwölf Jahren unsere erste Band. Irgendwann hat sich die Band Royal M Parade daraus entwickelt. Der Name ist in einem sehr langen kreativen Brainstorming entstanden – ich glaube, etwas viel Bier war auch im Spiel. (lacht) Das lässt sich nicht mehr so genau auseinandersortieren.

In der Ausgabe im September ‘93, in der ihr auf dem Cover seid, gab es auch folgende Themen: die limitierte Auflage der Zigarettenfirma West mit dem Hologramm einer Proton-Rakete; den Musikbasar im FBZ; ein Interview mit Jeff Goldblum zu „Jurassic Park“ und Fury in the Slaughterhouse. Hast du zu einem davon Bezug?
Na mit Fury gab es in der ganzen Zeit immer viele Berührungspunkte. 1991 haben wir unsere Firma undercover gegründet – mit Einnahmen aus einem Fury-Konzert. Wir haben einige gemeinsame Konzerte gespielt, hatten die Band für Aufritte gebucht und später für Wingenfelder das Booking gemacht.

In der Ausgabe wurde außerdem ein Fan-Paket von Royal M Parade verlost, es beinhaltete auch einen Umtrunk mit der Band. Was ist daraus geworden?
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, muss wohl gut gewesen sein. (lacht)

Die Rezension zu eurem Album „M“ lautete: „Allen Gerüchten und Vorurteilen zum Trotz zeigt das neue Album der Royal M Parade, dass Braunschweiger Bands Platten machen können, die sich durchaus an überregionalen Produktionen messen lassen können. Ausgewogener und kräftiger als ihr Erstling kommt das zweite Album der Royals daher. Ein in sich stimmiges Album.“ Was denkst du?
Auch nach Jahren gefällt mir das eine oder andere Stück gut. Die Zeit im Studio war eine intensive, tolle Zeit. Unser Produzent Olli Belz hat sich gut auf uns eingestellt. Ich denke gern daran zurück.

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Was hat dich damals auf die Idee gebracht, die Konzertagentur undercover zu gründen? Gab es Schwierigkeiten am Anfang?
Wir wollten so viele Konzerte wie möglich mit der Band spielen. Da lag es nahe, Konzerte zu veranstalten und uns als Band im Vorprogramm spielen zu lassen. Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir das mit dem Veranstalten irgendwie besser hinkriegen als mit der Musik ... Am Anfang ist es schwierig, als kleine, unbekannte Agentur coole Künstler zu bekommen. Aber mit der Zeit wurden wir immer erfolgreicher.

Was waren die witzigsten Pannen und Anekdoten in der Agentur und in der Band?
Am Anfang haben wir aus einem WG-Zimmer heraus gearbeitet. Wir hatten ein Telefon auf einem alten Schwenkarm, der aus dem FBZ aussortiert wurde. Es konnte immer nur einer telefonieren. Micha hat immer lange gesprochen und als ich dann dran war, war fast keiner mehr im Büro zu erreichen ... (lacht). Mit der Band hatten wir eine 24-Tage-Tour ohne Offday gebucht. Wir waren am Ende der Tour so im Eimer, dass wir uns zu Hause erst mal ordentlich ausschlafen mussten. Nach drei Wochen stand wieder die erste Probe auf dem Plan. Da ist uns aufgefallen, dass wir unseren Bass im letzten Club vergessen hatten. (lacht) Als wir mit den Schröders, die auf Platz eins in den österreichischen Charts waren, in Österreich tourten, haben wir bei minus zehn Grad im Wohnmobil vor dem Hotel der Schröders geschlafen. Die Schröders haben uns aber immer mit Strom und Getränken versorgt.

Irgendwann haben wir gemerkt, dass wir das mit dem Veranstalten irgendwie besser hinkriegen als mit der Musik ... Am Anfang ist es schwierig, als kleine, unbekannte Agentur coole Künstler zu bekommen. Aber mit der Zeit wurden wir immer erfolgreicher.

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Gab und gibt es regionale Künstler, die dir besonders aufgefallen sind?
Damals hatte ich die Malerei noch nicht im Fokus. Die Bands Such A Surge und später Sonnit waren für mich weit vorn. Als Künstler schätze ich heute die Bilder von Hans-Georg Assmann und Ingo Lehnhof.

Inzwischen malst du selbst sehr erfolgreich und mit relativ hohem Output. Wen oder was bildest du ab?
Der Mensch steht bei mir ganz oft im Mittelpunkt. Ich habe viele Ideen im Kopf, die ich manchmal gar nicht alle umsetzen kann. Es gibt immer ein Motiv zu einer bestimmten Zeit, was mich reizt, zu malen. Musik hören spielt dabei eine große Rolle. Oft dröhnend laut und rockig, manchmal leise und jazzig oder klassisch.

Was möchtest du mit deiner Kunst beim Betrachter erreichen?
Ich möchte den Betrachter einladen in das Bild einzutauchen, eine Geschichte dahinter zu sehen. Kürzlich wurde in einem Interview folgendes Zitat über meine Bilder geschrieben, was ich treffend finde: „... im Mittelpunkt stehen vordergründig wieder Portraits, allerdings scheint Wink-Hartmann eine zweite, tieferliegende Ebene eingebaut zu haben. Durch das längere Betrachten seiner Bilder entfalten sich unweigerlich Geschichten zu den portraitierten Menschen. Manche amüsieren, manche lassen den Betrachter grübeln und manche machen schlichtweg Angst.“

Wo kann man deine Gemälde sehen?
Die nächste Ausstellung gibt es ab dem 19. November in der Landesmusikakademie Niedersachsen in Wolfenbüttel. Für 2018 habe ich auch schon Pläne. Es ist aber noch etwas zu früh, schon jetzt darüber zu sprechen.

Was verbindet dich mit der SUBWAY?
Wir sind gemeinsam älter geworden ... und sind gemeinsam gereift. (lacht)

Welche Themen wünschst du dir in Zukunft in der SUBWAY?
Weiter ganz viel über die regionale Szene und regionale Bedürfnisse zu berichten.

Wie hast du selbst deinen 30. Geburtstag gefeiert?
Mit einer Sommerparty im Garten mit vielen netten Leuten bei bestem Wetter.

STECKBRIEF

Jahrgang 1969

Lieblingsfarbe was die Malpalette hergibt

Mit 30 Jahren habe ich viel ausprobiert

In 30 Jahren eine Ausstellung im MoMA (lacht herzlich)

Text: Katharina Holzberger
Fotos: Privat

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