Kennt ihr eigentlich schon …

 Hartmut El Kurdi?
NW GE ElKurdi boot Art
Satte zwölf Jahre lang hat der in Jordanien geborene und in Nordhessen aufgewachsene Autor und Regisseur für SUBWAY die Kolumne „El Kurdi spricht Deutsch“ geschrieben. Viele von euch werden sich sicher daran erinnern. Doch 2007 war Schluss mit lustig. Als Ergebnis einer öffentlich ausgetragenen Fehde mit Braunschweigs damaligem Oberbürgermeister Gert Hoffmann wurde El Kurdi von höchster Stelle offiziell als Künstler geächtet und mehr oder weniger aus der Stadt getrieben. Seit neun Jahren lebt und arbeitet der 53-Jährige im Wahl-Exil in Hannover, verfasst erfolgreich Theaterstücke, Kinderbücher, Hörspiele und natürlich Kolumnen – und kann über die alte Hoffmann-Tragödie wenigstens schmunzeln. Fun Facts: El Kurdi ist außerdem Mitglied der Country-Band The Twang, sammelt Saiteninstrumente und kennt sich kurioserweise unschlagbar gut mit den britischen Royals aus.
Hartmut, nachdem Hoffmann Geschichte ist: Was würdest du ihm gern sagen?
Ich würde sagen: Lieber E.T.A. Hoffmann von allen Ihren Werken hat mich am meisten Ihr Kunstmärchen „Klein Zaches, genannt Zinnober“ aus dem Jahr 1819 beeindruckt.

Ok, und welchen Satz würdest du unserem Ex-OB Hoffmann mit in den Ruhestand geben?
Ach dem ... Vielleicht: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“. Es ist ja nie zu spät, sich zu ändern. So wie viele einstige linksradikale 68er jetzt auf einmal rechts werden, könnte er als einstiger rechtsradikaler 68er ja auf seine alten Tage links werden. Nur so, zu seiner eigener Unterhaltung. Man sollte die Gefahren der Langeweile im Ruhestand nicht unterschätzen ...

Damals gab es noch kein Social-Media. Hätte dir das damals helfen können? Stichwort Shitstorm und so weiter ...
Shitstorms sind blöde. Aber natürlich hätten soziale Medien ein Gegengewicht gegen die größtenteils einseitige Berichterstattung der Lokalpresse und das Propagandafeuerwerk aus Rathaus und Kulturdezernat bilden können. So mussten leider erst Medien und Institutionen von außen – NDR, Die Zeit, SZ und der Deutsche Kulturrat – anrücken, um die Verdrehungen klarzustellen.

Warum ist Braunschweig eigentlich schöner als Hannover? Stimmt das überhaupt?
Nee, stimmt nicht. Beide Städte haben ihre Vor- und Nachteile, sind unterschiedlich und sich doch in vielem ähnlich. Das will nur auf beiden Seiten keiner hören.
Hättest du dir nicht eine Menge Ärger erspart, wenn du dich einfach nur auf Rock’n’Roll konzentriert hättest?
Klar, aber ohne Ärger wäre es auch kein Rock’n’Roll gewesen. Das Leben ist verzwickt.

Oder hättest du als Jugendlicher nicht doch lieber bei VW angefangen?
Ich hab‘ ja noch nicht mal einen Führerschein. Was hätte ich denn da machen sollen? Mal überlegen: Vielleicht Stand-up-Comedy in der Mittagspause. Oder die Volkswagen-NS-Geschichte aufarbeiten. Currywurst fritieren. Ach Gott, warum eigentlich nicht ...

Was wärst du lieber: Unterdrücker oder Gefängnisinsasse in einer Bananenrepublik?
Um mit dem Pop-Philosophen Rio Reiser zu sprechen: „Ich will kein Herr sein und kein Knecht. Das ist mein Wille und mein Recht!“

Vor welchem Fehler, den du im Leben gemacht hast, willst du deine Kinder bewahren?
Da bin ich Tendenzbuddhist: Es ist, wie es ist, und es ist gut so. Ich hab‘ vielleicht nicht so viel richtig, aber auch nicht viel falsch gemacht. Das mit dem Rauchen war blöd. Aber meine Tochter raucht eh nicht.

Was für Menschen kannst du nicht ausstehen?
Empathielose Schnösel, also zum Beispiel Jens Spahn. Menschen mit rassistischen oder sexistischen Vorurteilen. Menschen, die glauben, sie könnten qua Funktion oder Herkunft Macht über andere ausüben.
Wie gehst du im Post-9/11- und AfD-Zeitalter mit deiner arabischen Abstammung um?
Auf alle Fälle verstecke ich sie nicht. Warum auch? Ich spiele gerade am Staatstheater Hannover ein Solostück zu der Migrationsgeschichte meiner Familie, also auch zum arabischen, kurdischen und tscherkessischen Familien-Zweig. Es heißt „Home.Run – Eine grenzverletzende Familiensaga“.

Hast du aktuell immer noch Stress mit Nazis?
Wir alle haben Stress mit Nazis. Sie sitzen im Bundestag und halten Reden, zünden Asylbewerberheime an, attackieren Juden, Schwarze und Schwule.

Wie sieht dein Wunsch-Bundeskabinett aus?
Auf alle Fälle bunter als heute. Wieder haben wir eine Regierung ohne einen einzigen Menschen mit Migrationshintergrund, wenn man mal von der Halb-Britin Katarina Barley absieht. Und der einzige Schwule ist Reaktionär.
Was würdest du tun, wenn du nie wieder arbeiten müsstest, dürftest oder könntest?
Wenn ich aus finanziellen Gründen nicht mehr arbeiten müsste, würde ich trotzdem das Gleiche tun wie jetzt, nur stressfreier: Schreiben, Musik machen, mich auf Bühnen herumtreiben. Wenn ich nicht mehr arbeiten dürfte, würde ich im Kopf heimlich arbeiten. Wenn ich nicht mehr arbeiten könnte, würde ich Netflix gucken, bis ich implodiere.

In welcher Zeit würdest du gern leben?
Dauerhaft und freiwillig: In keiner. Ich würde allerdings gerne mal kurze Recherche-Stippvisiten in die 60er und 70er machen.

Interview Benyamin Bahri
Fotos Ulrike Willberg

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